Liebe Leser,
die EOS ist auch Online in neue Gewässer gesegelt: http://eostoern.posterous.com/
Mehr dazu nach dem Link.
Rückblick von GERDI, ab 27.8.
Da es auf dieser Segel-Tour mal nicht gar so heiß ist, nütze ich das zum CHROM-PUTZ an Deck: 10 Relingstützen, 3 Lüfterdeckel, der große Heckkorb, der Bugkorb, die 7 Klampen….alles wird blitzblank poliert. Auch an die EOS darf ab und zu etwas „Chemie“ und Putzmittel J…
Wir kreuzen bei schönem 2-3er„Bodensee-Wind“ über den „Fjord“ und sehen die hochsteigenden Rauchwolken von 2 Waldbränden, einer ganz nah an der Powerstation, dem Stromkraftwerk!!! Löschflugzeuge kommen schon nach 10 Minuten, nach 20 ist die Rauchwolke klein geworden. Kompliment den Löschern. Wir ankern nach 8 Stunden herrlichem Segeln in einer ganz kühlen Bucht, nordwestlich von Cöckertime Bay: da mündet ein Bach und oben auf dem 27° warmen Meerwasser „schwimmt“ das fühlbar viel kältere Süßwasser. Wunderbar zum Schwimmen. Das sagen auch die Bayern aus Ingolstadt neben uns. Kleine Boote von den Tavernen fahren an alle Yachten ran und bieten Taxidienste an für ihre Restaurants. Sogar Kamel-Reiten gäb’s an Land, und Folklore mit Life-Musik. Ich koche gern selber: Salzkartoffeln und Zigeunerpfanne aus Tomaten, roter und grüner Spitzpaprika, Zucchini, Aubergine, Corned beef, echt feurig scharf gewürzt.
Früh um 6.30 Uhr rasselt über meinem erwachenden Haupt die Ankerkette. Sonnenaufgang. Start in den schönen, noch kühlen Morgen, Frühstück auf See. Unterwegs putze ich bei wenig Seegang alle Mahagoniböden und Holzwände im Schiffsinnern, die Bilderrahmen, das Pump-WC, die Spiegel, die Fenster, die Spüle…Muß alle Woche 1x sein.
Dann erleben wir die Überraschung: in der begehrten Marina der Stadt BODRIM ist ein Liegeplatz frei für 1 Nacht!!! Die Wäsche wandert gleich mittags zur Laundry, das ist ein Super-Service und verschönt das (hygienische) Einfach-Leben an Bord. Großeinkauf im nahen Supermarkt, der einen enorm großen Umsatz macht beim Charter-Wechsel am Wochenende. Viele lassen sich alles ans Schiff liefern, Unmengen von Wasserflaschen, Alkohol, Chips, Melonen, Fruchtsaft, Cola, Fanta, Spaghetti, Konserven. Unvorstellbar. Vielleicht kaufen die ja nie ein. Wir finden dagegen in ganz kleinen Läden so manches, was wir so nebenbei „entdecken“:eine stabilere Chromstahl-Solar-SED-Ankerleuchte, die keinen Bordstrom vertilgt und nun am Heck im Achterstag „von selbst leuchtet“ an Ankerplätzen, einen kleinen LED-Leuchtkörper, ein Kabel,..das könnte doch eine Leseleuchte fürs Cockpit werden?? An Bord baut der Elektriker a.D. Gerhard eine Pendelleuchte und ich hab die Idee, dass der abgeschnittene obere Teil einer türkischen ERIKLI-Wasserflasche doch als Schirm dienen könnte. Ein (in Bremen mal gefundenes!) Taschentuch bekommt in der Mitte einen Kreuzschnitt und wird über den ehem. Flaschenhals gestülpt, festgebunden am Gewinde, unter dem Kabel: fertig ist unsere Hängelampe, die nun an den schon um halbacht dunkel werdenen Abenden am Großbaum baumelnd den Cockpittisch erhellt, sogar die neue FAZ kann ich nun abends lesen. Und speisen im Dunkeln klappt nun auch noch „draußen“ nach 8 Uhr abends.
Beim Bezahlen der 107 türk.Lira= ca. 53 € merken wir, dass der Luxus einer mit Klima-Anlage 24 Std. gekühlten Duschehalle nicht umsonst zu haben ist. Nix wie weg. Aber Bodrum bei Nacht? Reizvoll! Die werbenden Kellner sind hier nicht so aufdringlich wie die in Zakynthos oder Sardinien. Wir aßen vorzüglich im Palmiye am Ende der Promenade, köstlich frischen (in derVitrine noch rubinrot gepunkteten !) Kalamar vom Grill und Gerhard ein Lammgeschnetzeltes aus dem Tonkrug, serviert mit lodernden Flammen, die auf dem Teller rund um den Krug aus dem Salz züngelten. Sehr interessiert der junge Ober, prima Englisch, er konnte fachmännisch Fische tranchieren, und nächstes Jahr geht er nach Deutschland!
Bild Häßliche Feriensiedlung- wie das Holocaust-Stelen-Feld in Berlin
Beim Weitersegeln erschrecken mich so manche Hügel, die dicht mit weißen Ferienhäusern „bebaut“ sind, sie sehen, besonders am Hügelsaum oben, aus wie Grabsteine auf Friedhöfen, oder wie die Stein-Stelen am Holocaust-Denkmal am Brandenburger Tor….Tourismus? Wie Touristen-Büchsen. Legoland ist hübscher. Wir ankern vor dem naturbelassenen romantischen Fischerdorf Gümüslük, wo ein knallroter aufgeblasner kleiner Zeppelin hochgelassen wird und ferngesteuert die archäologischen Fundamente auf der kleine Insel Cavus fotografiert. Das ist querab vom griechischen Kalymnos. Also wohl griechische Geschichte. Früh am Morgen des 30. August schmettert ein Fischer einen gigantisch großen Octopus auf den Fels am Ufer, die Fangarme wohl über 60 cm lang!!!
Bild Gümüslük - das schöne alte Fischerdorf, linke Aussicht
Bild Gümüslük- rechte Aussicht…Werk türk.Architekten…
Mittags genießen wir das bei Ali’s Waldkneipe gekaufte kühle Bayerwald-Weißbier aus Hutthurm. Übrigens vertippte ich mich, glaub ich, bei der PLZ: 94116 Hutthurm! Köstlich. Dazu gibt’s griechische Ölsardinen in Zitrone, mit Oliven, Gurke und Tomate.
Bild Das bayerische Bier in der Waldbucht, siehe 17.blog
Wir segelten zu einer unbenannten Bucht bei umfangreichen Fisch-Zucht-Anlagen, Cam Limani. Als wir rausrudern, um bei den vermeintlichen Fischern Fische zu kaufen, laden die 3 Männer uns ein zum Chai. Ein ganz neuer chromblitzender Ofen, mit Pinienzapfen unten richtig „befeuert“, oben der Samowar, der frische starke Tee wird mit heißem Wasser aus dem Mittelbauch verdünnt. Wir essen abends vegetarisch: Bandnudeln und selbst gekochte Tomaten-Gemüse-Sauce und geröstete Pinienkerne aus der Pfanne.
Bild Gast bei Olivenbauern
Ich spiele für die Männer, die ihre Olivenbäume unten vom Unkraut durch Sprühen freihalten, ein Flötenkonzert. Das wird aber akustisch fast überdeckt von dem unglaublichen Gebell der Hunde an Land J…
Früh am 31. August tuckern wir rüber zu der nahen Fischfutters-Verladestation und der Skipper schwimmt mit an den windschiefen Anlegesteg. . „Balik? Fish?“ – „Hayer!! No!“ Aber ein Brot können wir haben. Der Arbeiter war 20 Jahre lang in der Schweiz – als Bäcker!! Und dann haben wir Glück: ein Fischer legt gerade mit seinem kleinen Kahn an und verkauft uns 2 Brassen und 2 kleinere frisch geangelte Fische. Fang-frisch und schillernd in allen Regenbogenfarben, als Gerhard sie schuppt!
Bild Unser Abendessen
Wir haben genug Wind und ankern nach fast 6 Stunden in einer unbeschreiblich grünen Bucht: Cukurkuk. Die ganz neue Marina in der Nähe meiden wir diesmal. Für morgen, Mittwoch, sind für 6 Stunden Regenschauer (!?!?!) angesagt und Windstärke 6, in Böen 7.
PS:Erika berichtet von daheim: es stürmt und schüttet. 10°C. Soviel zu den Sommerferien in Bayern u.Baden-Württemberg….
Sie kann’s kaum mehr erwarten: noch 13 Tage bis Australien!!
Gerhard, 23. August 2010
Mobil in Seglers Traumrevier
Die EOS ist nicht das einzige Schiff, das dort auf den Wellen schaukelt. Viele Gäste befahren dieses warme buchten- und inselreiche Gewässer.
Wer tummelt sich denn da alles?
Am häufigsten begegnen wir Charteryachten, weiß, meist Bavaria, von ansehnlicher Größe, ab 12 m Länge. Viel Standardkomfort, wenig heimelig, aber komfortabel, oft sogar mit Klima-Anlage! Fast wie ein Auto, von der Stange eben. Dann die Katamarane. Man sieht sie häufig, die Platzwunderfahrzeuge. Sie bewegen sich weniger elegant in den Wellen. Eine Einrumpfyacht passt sich den Wellen an, bewegt sich mit ihnen im Takt. Ein Katamaran hoppelt eher ruckartig über die Wellen und erinnert an ein laufendes Kaninchen. Der „Driver“ sitzt waagerecht hoch oben auf einem Sitz, eben wie im Auto. Die Platzvorteile sind natürlich gewaltig. Hervor quellen aus den Charterbooten an den Stegen 6, 8, 10 Personen, so wird der Yachturlaub bezahlbar. Seltener wird der Raum von einer Familie belegt. Das strapaziert den Geldbeutel des Verdieners doch arg.
Weniger wird man vom Eignern besegelten Yachten begegnen. Manche groß und mächtig, schön und edel mit jeder Art von Antennen, andere kleiner, einfacher, rustikaler, mangels Innenplatz wird viel an Deck verstaut, Fender, Ankertaue, Anker, Wasserkanister. Ich achte zwar, dass EOS´Linien wenig gestört werden, dennoch gehören wir eindeutig zur letzteren Klasse mit unserem 2- Sterne Schiff, im Gegensatz zu den 4- Sterne Fahrzeugen. Diese heimeligen, ja manchmal urigen Schiffe transportieren oft Langzeitsegler im Rentenalter. Nicht ganz so selten „leben sie am Schiff“ und machen nicht nur Urlaub.


Und dann die Gulets. Sie sind unheimlich beliebt, belegen 50% der Hafenplätze und strecken in allen Buchten ihre 2 Masten gen Himmel. Masten? Während unseres Aufenthaltes hier habe ich nur 3 mal segelnde Gulets gesehen, dann auch nur mit Vorsegel und unter Motor. Das liegt nicht am fehlenden Wind. Zahlende Gäste, 6, 10 oder mehr belegen dort Kabinen, genießen die Fahrt auf dem Wasser, den Aufenthalt in stillen Buchten oder quirligen Häfen.

Warum da noch segeln? Diese, aus ehemaligen Lastenseglern mutierten Schiffe haben ein gefälliges Äußeres, ihre Masten sind jedoch nur noch Beiwerk. Alle Segel tragen sie höchstens nur noch fürs Foto im Werbeprospekt. Kein Wunder, der heutige Schiffstourist möchte in seiner Urlaubswoche viel sehen. Der frühere besegelte Wassertransport bewegte sich auf viel langsamerer Zeitschiene. Den Gästen gefällt´s offensichtlich.
Ausflugsschiffe für Tagesausfahrten fallen auch in Buchten ein. Kaum ist der Anker gefallen und die Landleine angebracht, springen die Tagesgäste ins Wasser und vergnügen sich. Die Besatzung wirft derweilen den Grill im Vorschiff an und dann tritt plötzlich gefräßige Stille ein. Nachher geht man wieder Anker auf, besichtigt noch ein paar Felsen, Höhlen oder archäologische Stätten, falls vorhanden, und ab geht´s zurück in den Hafen.
Dann gibt´s noch die Edelklasse: Motoryachten, groß, oder in Megagröße, Segelyachten mit 30 Meter hohen Masten und 4 Saling-Paaren, nachts beleuchtet. Wohlhabende Gäste nehmen in bequemen weichen Deckchairs Platz. Anlegen und Ablegen ist nicht ihre Sache, das überlässt man standesgemäß der Besatzung im passenden Schiffsoutfit. Man genießt derweilen ein Gläschen, wohl eiskalter Champus, Keinen Kratzer, keine Roststelle weisen diese Schiffe auf. Die Besatzung verbringt ihre Zeit mit Putzen und Polieren. Gediegene 5- Sterne Edelfahrzeuge.

Daneben sind noch kleine Fischerboote, Schlauchboote, Luftmatratzen, Mülltüten und noch manches Gäste im Reich der Fische unterwegs.

So verbringt jeder nach seiner Art und nach seinen Möglichkeiten die Zeit auf dem Wasser. Keiner tut dem anderen weh, nur in den Buchten dieses Traumrevieres wird es manchmal eng.
Eine Besonderheit fiel uns auf: Es bewegen sich viele Schiffe mit der Flagge der USA, als Heimathafen wird am Heck oft Delaware angegeben. Lieben die Amerikaner dieses Segelrevier so sehr, dass sie Ihre Boote hierher überführen? Nein! Das liegt am türkischen Fiskus. Wer gebrauchte Boote einführt, muß eine hohe Steuer zahlen. Um das zu umgehen, kaufen die Türken ein gebrauchtes Schiff, registrieren es über einen Strohmann im Staate Delaware, USA (oder in Belgien) und setzen ihre türkische Flagge als Gastflagge. So sind die Türken monetärpolitische Gäste in Ihrem eigenen Land. Mustafa aus Marti Marina hat uns darüber aufgeklärt.
GERDI, am 27.Aug.2010
„KLIMA-WANDEL“ am 23. August bei OVA BÜKU, 4 Monate vor Hl.Abend J
Welch eine Überraschung: Die große Hitze ist vorbei (??).
Wir segeln früh um 6.30 Uhr in Ciftlik los, es wird ein herrlicher Segeltag, hinten am Heck der wunderbare Schatten unter dem luftigen grünen Bimini-Dach mit den Seiten-Netzen, schöner Wind und, unglaublich, nur 33°C!! Mein geschwollenes Meniskus-Knie schwillt allmählich ab, ich lese mit großem Vergnügen im erstmals nicht brütendheißen Vorschiff die neueste FAZ, interessant v.a. der Kulturteil, Beruf und Campus mit lesenswerten Artikeln in gutem Deutsch. (Hier im Segelurlaub sprechen wir ja fast immer in Englisch)…
Nach 32 sm, das sind rund 60 km Tagesreise, fällt der Anker in der von Felsen umgebenen uns schon bekannten Bucht von Ova Büku, 5 Tavernen, kleiner Sandstrand, hohe Bäume, WiFi. Am Abend stellen die Ober flugs je 12 Tische ans Meer in den Strandsand, wo sonst die Sonnenliegen und die aus Peddigrohr geflochtenen Sonnenschirme stehen. Windlichter auf die weißen Tischdecken, Stühle dazu, Speisekarte, fertig ist das Restaurant…Wir aber kochen selber, Spaghetti, Pesto, Parmesan, grüne kleine Gurken vom Gemüse-LKW. Wie lange blieb der Herd nun kalt?? Wir tranken früh Nescafé mit im kleinen Kühlschrank gekühltem Wasser und ansonsten nur viel Salat oder Brote…Mittags bei 40° verzichteten wir oft auf Mahlzeiten und begnügten uns mit Wasser und Sesam-Stangen aus der Alu-Tüte…und Nektarinen oder Äpfel der neuen Ernte.
Wir genießen im Cockpit den Vollmond und die „kühle Luft“, und schlafen, trotz der Schaukelei quer zu den Wellen wunderbar.
Ich wache früh auf, zum ersten Mal nicht „schweißgebadet“ - und es ist beinahe „kühl“…Das ist so unglaublich, dass mir spontan die Anfangstakte der BACH-Kantate im Ohr sind und ich singe: „Jauchzet! Frohlocket!“
Nach 6 Uhr früh holt Gerhard, behutsam den Anker hoch, die Chartersegler schlafen gern lang nach drink-reicher Nacht.

Vor uns breitet sich braun der breite Inselrücken von KOS aus. Wir werden aber vorher noch den ewig langen Halbinsel-Finger „Datca“ umrunden, also zuerst 25 sm gen Westen, ums Kap herum und 25 sm zurück gen Osten. Zauberhafte, teils tief eingeschnittene grüne Waldbuchten locken. 2,4,5 Delfine begleiten uns und sausen um und unter die EOS, heben sich bedächtig und spielerisch im Duett wie Bögen aus den Wellen, tauchen elegant wieder ein. Eine halbe Stunde lang dieses Schauspiel!
Wir haben ab 13 Uhr kräftigen Wind, wohl 6 bft, von hinten rollen lange, hohe Wellen an, schäumend legt sich die Gischt ins Wellental, lärmend gurgeln die Brecher unter dem Kiel durch, ein Spektakel. Heftiger Ruderdruck an der Pinne…Zweifaches Reff im Groß, später ohne Vorsegel, wir laufen über 6 Knoten…Die großen Wellen „schieben“ uns zusätzlich! Gegen 17.30 Uhr folgt das Großsegelbergen im wild schwankenden Schiff, immer eine Sache mit Herzklopfen für mich, wenn Gerhard da vorn am Mast „steht“ (!) und freihändig das Segel birgt, 8×5 m, 40 qm störrisches Tuch in großen Falten vom Mast der EOS gezogen. Ich muß das Schiff exakt „im Wind“ halten, darf nicht mit dem Bug „durch den Wind“ geraten im Wellengang, sonst wirft sich das Schiff auf die „andere Seite“ und den Skipper auch….Nicht auszudenken. Danach muß er alles auf dem schwankenden Großbaum, an Deck stehend, in Falten „auftuchen“ und mit Bändseln festzurren..Ich bin immer froh, wenn er es geschafft hat und ins Cockpit zurück klettert.
Wie etliche Gulets steuern wir behutsam über Barren (Untiefen) und an flachen Unterwasser-Riffen vorbei in eine der Buchten am East Creek, Yediadalar. Luftlinie sind wir nur ca. 30 km von MARMARIS entfernt, das „hinter den Hügeln“! liegt, am südlichen Ufer.
Traumhaft. Grüne Pinien. Wessssspen! Und da sticht mich gleich eine goldgelbe Wespe nach dem Schwimmen in denOberschenkel….Fenistil-Gel. Nicht schimpfen. Das ist Natur pur. In dieser Bucht „üben“ wir mal diese türkische Art zu ankern. Wir fahren rückwärts mit dem Heck voraus auf das Land zu, werfen den Anker und fahren unter weiter rückwärts. Ich halte das Schiff (gegen EOS’ WillenL….) auf dieser Stelle, Hick Richtung Ufer, bis die Ankerkette straff ist. Dann muß ich gegensteuern und „über den Anker fahren“ bis es dort wieder ruckt, dann wieder rückwärts fahren und in der Zwischenzeit ist Gerhard mit einer großen Rolle Landleine, 50 m, und Kette für den zerstörerischen Felsen am Ufer, an Land gepaddelt, befestigt das Ende der Leine mit der Kettenschlaufe am Felsen und paddelt nun auf die Eos zu. Ich verlasse schnell den Platz am Ruder und übernehme das Tau um es an der Klampe zu befestigen. Gerhard reicht mir die 50 cm-Rolle hoch, befestigt das Schlauchboot und kehrt zurück an Bord. Nun muß man diese Landleine noch dichtholen oder auch die Ankerkette- Meist haben wir dann eine ruhige Nacht vor uns.
Wir lesen viel: Gerdi: „Die Tochter der Tibeterin“ (v. Federica de Cesco). Spannend. Zum Nachdenken anregend, denn das Volk wird von den HAN-Chinesen gedemütigt und soll „eingegliedert“ werden, gegen den Willen des Buddha-Volkes, Sie sind und bleiben auch in Khaki-Uniformen heimliche Anhänger des Dalai Lama..
Gerhard liest gerade das 5 cm dicke „Lied von Troja“.
Am 25.8. gibt es guten Wind aus Westen, bis 5 und 6 bft! Flottes Segeln in einer herrlichen Gegend. Ja, viel schöner als Kroatien und Griechenland…
Schon nach knapp 4 Stunden tasten wir uns in eine unbeschreibliche fjord-ähnliche, ganz schmale Bucht, Kargilibüc. Ein Abenteuer der besonderen Art: Hier haben wir, hinter der 1,5m Barre, nur ganz wenig Wasser unterm Kiel und zum ersten Mal zeigt unser Echo-Lot 0,0 m an…Ganz ganz langsam unter Motor schleichen wir zum hintersten Ende der Bucht, 2 Graugänse quaken und 2 Fischerboote hängen vertäut am Ufer. Es sieht aus wie an einem deutschen Weiher! Hohe Pinien, Laubwald, ein ganz kleines „Restaurant“, Ali& Eleanor….Ein Schwenkgrill von 1,5 m Durchmesser, eine Kissenbühne mit Shisha mitten im Wäldchen, viele von Eli getöpferte große Schmetterlinge, Kalebassen, wunderschön handbemalt, als Girlanden, 6 Welpen, ein Husky mit himmelblauen Augen, muhende Kühe (Ali scherzhaft: „Elefants!“), Pferde wiehern (sogar Wildpferde, auch weiße!), Spuren von Waldbrand vor ca. 12 Jahren, Ali zeigt uns Fotos vom Löschen mit Hilfe von Hubschraubern…
Gerhard paddelt in die 3 mündenden Bäche, Eisvögel, ein Kranich stolz und still im Schilf…Abends essen wir Ali’s „spicy chicken-legs“ vom Grill, köstlich saftig, chili-scharfffff! Auberginen-Mus mit Knoblauch, in Folie gegrillte Kartoffeln und Zwiebeln, Melone, Pfirsich, Trauben als Dessert, und: ein köstliches Weißbier aus dem Bayerischen Wald, ja, eine bayerische kalte „HUTTHURMER BAYERWALD-HEFE-WEISSE“ naturtrüb, D- 94116 Hutthurm, seit 1577!
Das Bild auf der Flasche zeigt den Kirchtturm von Hutthurm, Zwiebelturm, blühender Apfelbaum davor, Tannen, Bauernhäuser mit rotem ausladendem Ziegeldach und Holzbalkons mit roten Geranien davor, grüne Hügel, Bayerwald, See, saftige Wiesen dahinter…HEIMAT!
Ein Gast empfahl ihm vor Jahren dieses Bier und seitdem hat Ali es im Angebot….! Sachen gibt’s!
Donnerstag, 26.August: SCHÖNHEITSKUR FÜR DIE EOS …und die ersten Zucchini-Küchlein an Bord!
Wir nützen den ersten Tag der unter 40° liegenden Temperaturen und machen uns sogleich ans Werk:
Schmirgelpapier, 2 dicke neue Pinsel, UV-beständiger Klarlack für unser sonnengeschädigtes Mahagoni-Cockpit!!! Zu zweit arbeiten wir hingebungsvoll, unter dem Schattendach der großen Persenning (Dank sei dem albanischen Bootssattler Julian aus Piräus, 13.8.09)
5 Stunden lang brauchen wir …Danach heißt es vorsichtig sein, man darf ja nirgends „hinkommen“, jede Berührung wäre ein Schaden im nassen Lack.
Ich geh nach unten in die Kombüse, hoble die grüne ZUCCHINI, schlage 3 Eier und mische 200 g Mehl und 3/8 l Milch und Wasser, dazu Salz, Zitronensaft, Estragonblätter. Nach dem Quellen backe ich in Sonnenblumenöl 18 knusprige, goldbraune Zucchini-Küchlein. Mit Zimt+Zucker zum Kaffee ein wahrer Hochgenuß am Nachmittag, mmmh.
Am frühen Abend paddeln wir raus, laufen den Waldpfad hoch, an Süßwassertümpeln vorbei, zu den freilaufenden Kühen und Kälbern, Hühnern, Pferden, zurück zu Ali&Eli’s Restaurant im Wald. Da bietet uns Eleanor aus Buckinghamshire in England an, dass Ali uns im Auto(alter türk. Fiat 1600, Jg. 1994…)) auf den sehr holprigen Brandschneisen der Feuerwehr hochfährt zum Sonnenuntergang mit Blick über die vielen Buchten auf das weite Meer. In halsbrecherischem Tempo, zigaretterauchend, jagt er das Auto wie einen Hengst über Stock und Stein, durch enge Haarnadelkurven, links der Abgrund, rechts der Felsenhang…“Hell’s angle“ sag ich zu ihm, und da ist er stolz, so ein rasanter Fahrer zu sein.
Gutes Timing: als wir fast rennend vor halbacht zum Gipfel laufen, eröffnet sich ein atemberaubendes Panorama, das Meer, all die Buchten, der Wald, die rote Kugel der Sonne, die sich fast behäbig in eine Berg-Kimme schmiegt….. und es sieht aus, als würde sie wie ein Spiegelei ins Meer hinab gesaugt… Gerhards Fotos belegen, was Worte nicht können.
Ein unvergessliches Erlebnis…
Die Bilder:
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624830403826/show/
Wir haben eine besonders schöne Bucht besucht. EOS ankert inmitten eines kleinen, abgeschlossenen Meeresarmes.
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624706185333/
Gerhard, Ciftlik, 20. August 2010
Die Gegend um Göcek ist wohl die schönste in der schönen Südtürkei. Eine Insel neben der anderen, eine Bucht nach der anderen, ockerfarbener Fels, viel Kiefernwald. Malus: Tiefe Buchten, wasserlos, schwül zur Sommerzeit.
Wir fahren noch einmal durch diese beeindruckende Inselwelt, der Motor läuft langsam, wir wollen schauen. 15 Seemeilen westlich öffnet sich eine tiefe Bucht, Disiblimez Koyu, steile Felswände und am Ende nochmals eine Ausbuchtung.




Westlich eine hohe Felswand, grau und abweisend, dann ein grauer Kiesstrand und anschließend ein wildes Felsgebirge, Höhlen in den Wänden, sie sehen uns wie Fratzen an. Ein hausgroßer Felsblock klebt hoch über der Wand. Wann wird er in die Tiefe poltern? Am Ende dieser Ausbuchtung ein weiterer, diesmal einladender,grauer Strand und ein einsames Gasthaus dahinter. Unter dem Kiel flacher Sandboden. Eigenartig: Ringsum wilder Fels und der Seeboden feinster, ebener Sand. Das Wasser ebnet wohl ein. Der Anker in 12m Wassertiefe greift hervorragend. Noch 2 Boote sind mit uns hier. Gegen Abend verlassen sie die Bucht und ein neuer Nachtgast kommt. Es ist etwas unheimlich, als die Sonne untergeht. Ein Schlauchboot kommt angeflitzt und lädt zum Essen im Strandgasthaus ein. Gerdi hat jedoch schon vorbereitet: Hervorragende typisch-türkische Vorspeisen und Bohnensalat mit Zitrone. Die Bucht öffnet nach Süden, auch hier werden wir nachts geschaukelt. Wir schlafen draußen an Deck, im Schiff ist es zu schwül, da Wind fehlt.
Anderntags queren wir die weite Bucht von Marmaris und gehen in der Ciftlik- Bucht an eine Mooring. Wir lassen uns freiwillig an den Restaurantsteg fangen. „Schiffe-einfangen“, das geht so: In der Bucht konkurrieren mehrere Tavernen, alle haben Stege zum Anlegen. Nähert sich eine Yacht, dann erscheint Personal, winkt mit Fahnen am Kopf des Steges, um auf sich aufmerksam zu machen. Wir waren in dieser Bucht 3 mal vor Anker, aber jetzt ließen wir uns fangen und genossen unser Abendessen im Restaurant. Alles war da: Süßwasserpool, Dusche, Trinkwasser zum Bunkern und Internetzugang am Steg. Nachts alles romantisch beleuchtet, sogar ein „einschaltbarer Wasserfall“ hoch vom Felsen runtr vor die Appartements….
Anderntags, kurz nach Sonnenaufgang, gehen wir beide das Tal hinter der Bucht hoch, Segler leiden an Bewegungsarmut. Sogar eine Quelle mit gutem kalten Wasser liegt am Weg. Uralte dickstämmige gewaltige Bäume säumen den Pfad.


Weit oben bei ein paar hingeduckten Häusern sehen wir unter uns Felder und viele Bienenstöcke. Hier beenden wir den Ausflug. Auf dem Rückweg begegnen wir noch einem kleinen Jungen, der einen Sack Petersilie nach unten bringt. Er strahlt, als er seinen Englisch- Wortschatz gebrauchen darf. „Only for holiday“ - aha, aber die Naturstein-Mäuerchen zeugen von vielen fleißigen Generationen hier oben in der Einsamkeit der Berge.

Gerdi, 20.8.
Auf den 2 Fotos kann der blog-Leser nun nachträglich sehen, wie wir an Deck schlafen, siehe 15.Block!


In jener Bucht, in der die Dolinenfelsen ausgehöhlt an wüste finstere Schädel oder viele Meter hohe Fratzen von Ungeheuern erinnerten, auch ein wenig wie die Stelle aus „Herr der Ringe“, wo die Bäume zu laufen beginnen…paddelten wir unter diese hängenden hallenartigen Felskuppeln, es hallte wider, über uns Tropfsteine , Stalagtiten. Einfach unheimlilch, wie leere Augenhöhlen in Totenschädeln. Als am Morgen um 6 die rote Morgensonne die Felsen anstrahlt, sieht alles ganz friedlich aus….
REZEPTE
Zu den von mir nach der Erinnerung an die Vorspeisen in der Taverne in Göcek (und früher in Kusadasi) nachgekochten „Mezze“ möchte ich die daheimgebliebenen Hobby-Köchinnen mal anreizen, es auch zu probieren. Hier eine Anleitung meines roten Paprika-Petersilien-Rohkost-Tellers:”Ezme:”
1 Bund Petersilie
2 Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
1 Chili-Schote
2 rote Spitzpaprika
1 Tomate
1 Tl Sumakgewürz
1 kl. Tl Chili-Samen
Pfeffer
1 Tl Paprika
Saft v.1 Zitrone
2 El Olivenöl
Salz
1 Tl Zucker f.d.Zwiebeln
Alles ganz fein auf dem Brett schnippeln in Würfelchen und mit Zitrone säuern. Ab in den Kühlschrank. Es soll eiskalt sein.
Das ganz fein gewürfelte Gericht sieht so rot und grün sehr appetitlich aus, am besten in einer schönen Keramikschale anrichten.
Bohnensalat türkisch: aus grünen Stangenbohnen

1 Dose Bohnen, abtropfen lassen, Zitrone und Olivenöl dazu, 1 Tl Zucker, Salz, Pfeffer, Zwiebelwürfel, Knoblauch, Olivenöl.
AUBERGINENPÜRREE
Was ich sehr mag, ist Auberginenpüree. Im Backofen werden die halbierten Früchte in heißem Öl unter Deckel mit Zwiebeln gedämpft. Dann gehäutet. Auberginen und Zwiebeln durch ein Sieb rühren, nun mit dem Holzlöffel rührend wie bei Majonnaise tropfenweise Saft ½ Zitrone und ½ Tasse Olivenöl unterRÜHREN, Salz, 1 El Honig dazurühren. Es soll ganz locker-flockig sein und eiskalt.

Gerhard kostete gestern Hummus. Das ist ein dickes Kichererbsen-Pürree. Lecker und ganz mild. GUTEN APPETIT:
Wir besuchten das Segler-Restaurant am Steg, Alargo, und hier sind einige Fotos von den köstlichen Mezze= starters=türk.Vorspeisen!

Lecker serviert

Ciftlik Bucht


Wir essen mal nur Vorspeisen
Die Bilderserie:
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624766880068/show/
Gerhard, Göcek, 17. August
Zur mächtigen Düne
Die Küste zwischen Kalkan und Fethiye im Süden der Türkei ist sehr gebirgig. Wilde Felswände gehen übergangslos ins Meer über. Dort mündet aber auch ein kleines Flüsschen, der Esen, und bildet ein riesiges, flaches Mündungsgebiet mit einem über 20 km langen Sandstrand. Segler lieben enge Landnähe nicht, aber auch von weit draußen fällt eine mächtige Düne auf, eine Laune der Natur. Gerdi und ich schätzen sie auf 30- 50 m Höhe.

Auf der Rückreise von Kalkan nach Göcek tastet sich die EOS vorsichtig unter Land. Auf 5 m Wassertiefe fällt der Anker. Kein Wind bewegt das Wasser, dennoch wirft eine alte Dünung die EOS von einer Seite auf die andere und die Brecher dröhnen von Land zu uns. Gerdi bleibt am Schiff, ich pumpe MICRO EOS auf, verstaue Kamera, Mobile und GPS im wasserdichten Sack und lege noch eine Flasche Wasser dazu. So rudere ich auf den Strand zu. Die EOS schaukelt mächtig. Im Uferbereich erfassen die Brecher MICRO EOS, werfen sie nach vorne und in wilder, kurzer Fahrt schießen wir ins ganz flache Wasser. Raus aus dem Boot bevor uns das Wasser wieder zurückzieht und MICRO EOS den Strand hochziehen muß ganz schnell gehen. Trotzdem bin ich arg geduscht.
Der Sand ist ganz fein und heiß. Ich mache mich auf den Weg, durchquere eine wildbewachsene Senke und steige auf. Es geht sich mühsam im lockeren Sand. Ausgebleichtes Holz liegt auf den kleinen Sandwellen, die der Wind geschaffen hat, ähnlich den Schneewellen im Winter.

Auch im reinen Sand wachsen da und dort Büsche. Der Wind hat manche Wurzeln freigelegt, sie sind über 10 m lang. Mit ihnen werden die Büsche ihren Lebenssaft aus der Tiefe holen. Auch trockene, abgestorbene Büsche ragen aus dem feinen Sand. Scharfe, elegante Grate bilden die Dünenrücken, westseitig flach, ostseitig steil. Weit draußen schaukelt EOS. Es ist knallheiß, kein Lüftchen regt sich, die Schuhe sind voll Sand. Vogelspuren und die breiten Doppelspuren von Schildkröten zeichnen sich im Sand ab. Am Gipfel bietet sich ein Rundblick über das türkisblaue Meer und auf der anderen Seite das fruchtbare Land mit Gewächshäusern, einem sumpfigen See und ein paar Hütten. „Meine“ Düne geht nach 100 m übergangslos in einen mächtigen Kiefernwald über.Das GPS zeigt eine Höhe von 65 m an.

Auf dem Rückweg laufen die Beine wie von selbst den Berg hinunter. Mächtig donnert die Brandung gegen das Ufer. Ich verpacke alles in den wasserdichten Sack, ziehe das Beiboot ins Wasser und versuche raus zu paddeln. Es gelingt nicht und eine Welle nach der anderen wirft ihr Wasser ins Gummiboot. Erst als ich noch mal aussteige und das Boot ins tiefere Wasser ziehe, können wir uns aus dem Bereich der brechenden Wellen freirudern. Noch ein paar Minuten und wir sind mit halbvollem Beiboot bei der EOS. Gerdi hat´s mächtig durchgeschaukelt. Jetzt holen wir den Anker ein und richten den Kurs ins tiefe Wasser.


GERDI’S ANEKDOTEN, 17.8.10
DIE NEUGIERIGE MEERESSCHILDKRÖTE


Wir liegen im Anker-Becken der Bucht vor der senkrecht aufragenden Felsenwand vor Kastellorizon. Ich fotografiere gerade die wunderschöne bunte Flaggengala auf 4 Schiffen vor uns. Da ruft Gerhard hinter mir: „Da! Da! Schnell!!!!“
Ich dreh mich um, seh die wohl über 50 cm im Durchmesser große Meeresschildkröte 4 m neben dem Rumpf der EOS auftauchen, Klick. Und schon hebt sich erneut der große gelbe Kopf aus den Wellen. Neugierig ist sie! Klick! Da staunt der Leser – oder???
MARIÄ HIMMELFAHRT AUF DER GRIECHISCHEN INSEL

Wir laufen rund um die Felsen auf dem Ringpfad rüber zum Dorf, um in einem Internetcafé den blog einzuspeisen. An der Kirche ist der Vorplatz mit viel saftig grünen Buchszweigen und gestreuten Lorbeerblättern, auf griechisch Daphni, geschmückt. Fahnen flattern im Wind, alle kirchlichen Wimpel sind als Flaggenleine aufgehängt, Lesepulte mit gestärkten weißen Spitzendecken behängt, der reichlich mit Gold bestickte Ornat der Popen hängt schon bereit auf Kleiderbügeln, prunkvolle Kerzenständer stehen bereit, viele Holzstühle wurden in Reihen aufgestellt, eine Musikkapelle macht sich fertig, alles deutet auf einen abendlichen Festgottesdienst hin. Nach Wochen der lautschallenden Muezzinrufe aus den Lautsprechern der Minarette an den Moscheen kommt einem das als Christ doch recht heimat-lich vor….Wir hören später die Kirchenglocken, den singenden Popen und die Bouzuki-Geigen-Gesang-Darbietung noch bis früh morgens um 1 Uhr, als wir vor Anker liegen.
VOM FISCH DEN KEINER ESSEN WOLLTE

Im letzten türkischen Dorf bei der eiskalten Quelle, wo wir an Land ruderten, um 10 Liter Wasser zu erbitten und Brot zu kaufen, gibt es leider keinen einzigen Briefkasten. Also wandern die Briefe an Erika und den SMCF wieder in den Rucksack. Auch beim einzigen Gemüsestand: keine Nektarinen. „Doch! Komm, Frau!“ gestikuliert der Händler. Er führt mich hinter seine Zeltplane, hebt den Verschlag, öffnet die schwere Tresortüre des Kühlwagens…- und drinnen in der Eiseskälte ist sein Obstlager. Gurken, Nektarinen, Tomaten, Paprika, herrlich. Gerhard fragt nach Fisch. „Balik?“ Man deutet uns den Weg an hinter eine Hecke. Auf dem Boden kauern Frauen, alte Männer. Dazwischen liegen Plastiktüten mit Fisch. Unser „Führer“, Kapitän auf einem Gület auf dem Marmarameer, dolmetscht, dass wir Fisch kaufen wollen. Oh! Ja! Ganz frisch sei er. Aber nur im Kilo zu haben. Na gut, wir wählen 2 große, bläuliche, mit großen Schuppen fast wie ein Karpfen und einen kleinen, 1 kg! 15 Türkische Lira. Wir haben 13. Und nehmen sie begeistert mit. „Mmmmh. Die grillen wir heute Abend in Kastellorizon.“
Gleich nach dem Zurückpaddeln wandern sie in einer Dose in den extra kühler gestellten 30×30cm großen Kühlschrank.
Nach unsrer Rückkehr vom blog-Senden öffne ich jene Dose, sie riecht etwas unappetitlich, aber… der Zitronensaft wird das schon neutralisieren. Da es inzwischen draußen mit starken Böen heult, können wir es nicht wagen, ein Feuer am Grill zu machen, da die Funken auf die neben uns ankernden Yachten fliegen würden. Also, trotz der Hitze im Schiff, Herd anmachen und in der Pfanne braten…
Tapfer und schweißüberströmt mache ich mich an die Arbeit: Bäuche aufhalten, Zitronensaft reinträufeln, Fischgewürz, Knoblauchwürfele, Dill, Olivenöl. Dann zaubert Gerhard an dem widerspenstigen Petroleumherd ein Feuer. Pfanne drauf, alle 3 Fische ins zischende Öl. Einige saftige Knoblauchzehen hinterher. Ich brate, es spritzt höllisch heiß auf meinen eignen Bauch. Durchhalten!! Nach ca. 10 Minuten hebe ich den ersten Fisch knusprig braun gebraten auf Gerhards Teller…. Wie der Oberratten-König spielt er den Vorkoster………
Er zupft sich mit der Gabel prüfend das 1. Stück des weißen Fleisches, dann ….ein Aufschrei: „Iiiii! Widerlich. Grässlich. Den esse ich nicht! Weg! Weg damit!“
Und im nächsten Moment fliegen alle 3 Fische, unsre köstlich geplante Abendmahlzeit, über die Reling ins Meer. Platsch. Aus. Vorbei.
Es gibt Honigbrote…Den letzten Rest des Brotes. Und unser letztes Bier…
DER OBER ALS POSTBOTE
Wir waren in Göcek beim Abendessen. Wenn es tagsüber immer 38 – 40° Hitze hat und man im Cockpit fast schmilzt oder geradezu verdunstet, so schwitze ich da, ist einem am Abend nicht nach Kochen und Tischdecken. So geht man doch mal in eine Taverne… Mich sieht Gh tagsüber immer mit dem Frottéetuch in der Hand, um wenigstens die Augen frei zu halten…ich warte sehnlichst 12 Stunden lang auf den Untergang der „güldnen Sonne“, die ich am Anfang des Törns festlich mit Flötenmusik begrüßte!)
Die Ober sind alle sehr freundlich und humorvoll. Es tut gut, so freundlich bewirtet zu werden. Vielleicht sind ja alle Brüder, denn sie sind alle mit strahlenden Gesichtern bei der Arbeit, spielen in allen Sprachen mit den Kindern der Gäste, machen kleine Scherze, erschrecken sie mit laut knisternden Wasserflaschen, die sie heimllich hinter deren Ohren zerdrücken.
Köstlichste aller Erfrischungen ist ein Stand-Ventilator, der beim Drehen alle 6 Sekunden auch mich streift. Gerhard bestellt ein „Mythos“- der Ober schmunzelt und legt grinsend den Kopf schief. Mythos?? (Das ist ein griechisches Bier!! Die gemeinte türkische Marke heißt EFES…

Nach dem Essen, köstlilches Hühnchen in Stücken gegrillt, das heißt hier shish chicken, halte ich erklärend meine Post hoch, ein Brief an Martin(den mit dem Kunst-Objekt aus der neuen Istanbuler Kunsthalle!), eine Karte an Erika, eine an Petra: Wo ist ein Briefkasten?
Der Kellner hat Sprachprobleme, er möchte mir so gern den Weg zum Postkasten erklären. Er gibt es auf, legt die Hand aufs Herz, beteuert glaubhaft: „Das erledige ich für Sie, Madame!“ und er notiert sich das als Erinnerung auf einen „To-do“-Zettel und zeigt mir den noch mal, als wir uns verabschieden. Wieder mal erliege ich dem Charme und der natürlichen gastfreundlichen Einladung zum Helfen. Kommt dir das bekannt vor, Erika? Du willst doch auch immer den Gästen die Wünsche von den Augen ablesen und alle, alle erfüllen.
LUFTIGES HIMMELBETT
An Land in Göcek gibt es ein Café, in dem Diwans, große 1qm-Kissen auf dem Boden, Baldachine aus gerafften Vorhängen auf dem schmalen Steg, abends mit Kerzenschein schwach erhellt, einladen zum Verweilen. Der ganze lange Steg sieht aus wie eine Spielecke für Kinder bei uns im Familientreff. Der Ober bedient adie lagernden lümmelnden Touristen an ganz niedrigen kleinen Tischchen…Ich finde das sehr exotisch. Und denke schon an das Brutofen-Bett im Bug heute nacht…
Gerhard bietet mir an Bord seine komfortable edle superleichte, 5 cm hohe, perfekte Luftkammer-Matratze zum Nachtschlaf im Cockpit an( USA-Modell, Neon-Air? 150 g, 120 €, winziges Packmaß 6×20 cm)….Er schläft damit seit Wochen openair, unter dem Nachthimmel, auf einem aus 3 Brettern 20×180 cm gebauten Liegetablett über der 7 cm hochragenden Traveller-Schiene zwischen den Cockpitbänken…
„Liebe ist wenn er….“ – so lautete auf Erikas Snoopy-Kalender mal jedes Blatt…

- Gerdi nach einer wunderbaren Nacht, mal mit OFFNEN Haaren früh um 7
Ich nehme das großherzige Angebot an. Er bläst sie in 2 Minuten auf, serviert mir dieses Freiluft-Bett.
Es ist im doppelten Sinne ein wahres HIMMELBETT! Ein ganz leichter Lufthauch streicht manchmal über mich.
Im Vorschiff, wo ich sonst schlafe, auf neu gepolsterter Matratze, ist es seit 3 Wochen höllisch heiß, um 3 wache ich oft auf und fühle mich wie gedünstet. Besonders der ja nur 50 cm flache Fußraum wird sehr heiß, auch das über mir offene Klapp-Luk lüftet das1,70 m tief unten liegende Vorschiff nicht. Die Luft „steht“ wie in einem Einmachglas. Ich messe mit dem Thermometer 38° Schlafzimmertemperatur…
Dies als Erklärung. In den KW-Nachrichten hörten wir gerade, dass es in Süddeutschland Höchsttemperaturen von 16 °C hat, und des Nachts
10°…
Türkische Folklore
und die “Schwarze Wolke”, vom Liedersänger aus Marmaris: diese email kam grad an! Ckick und ich hoffe ihr seht und hört die Musik und die Bauchtänzerinnen
Danke für deine mail .. Menie web site ist www.seferkarabulut.com und whensie schreiben in youtube oder when si schreiben an google "Sefer KARABULUT"sie können an videoclip anschaun.Oder ich gebe web site.. http://www.izlesene.com/video/komik_videolar-sefer-karabulut/429723 İch wünche schöne tag..Viele Grüsse Sefer KARABULUT
Die Bilder:
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624619153269/show/
Gerhard, Gokkoja Bucht, 13. August 2010-08-13
Ankerplätze
Die Nächte in Häfen oder Marinas zu verbringen ist hier und in dieser heißen Jahreszeit unangenehm. Die Schiffe liegen dicht an dicht, kein Lüftchen bewegt sich und im Schiff macht sich Tag und Nacht drückende Schwüle breit. Vor Anker richtet sich ein Schiff nach dem Wind aus, Luft streicht hindurch und nimmt die Hitze (etwas). Durch Windsack im Vorschiffsluk und unser großes Sonnendach lässt sich das Klima noch etwas verbessern.
Marmaris, vor der Stadt
EOS ankert direkt vor der Uferpromenade, wolkenloser Himmel, Temperatur um 35°C, kein Lufthauch regt sich. Um uns laufen Yachten in die Marina ein und aus, Gulets ziehen mit Musik und Badegästen vorbei zu ihren Ankerplätzen. Das Panorama der Stadt vor den hohen Bergen beeindruckt. Die untergehende Sonne taucht die Landschaft in ein warmes Licht. Die Uferpromenade füllt sich mit Menschen. Erst etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang senkt sich die Temperatur, dann laufen die ersten Gulets zur Abendausfahrt bei lauter Musik aus. Noch später wird es auf der Uferpromenade eng. Aus mehreren Richtungen hören wir laute Diskomusik und das Stimmengewirr der Leute. Erst jetzt erwacht die Stadt und genießt bis weit nach Mitternacht. Dann wird es ruhig, die Gulets liegen wieder am Kai und die Diskolichtfinger haben ihr sinnloses Strahlen eingestellt und die bunten Werbeflächen strahlen nicht mehr.
Um 5 Uhr früh hellt sich der östliche Horizont leicht auf, Die Geräusche der Müllautos eröffnen den Arbeitstag, Die Sterne verblassen am Himmel und das morgendliche himmlische Farbenspiel beginnt.
Kastellorizon, Malerische Kulisse umgibt uns
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Patara Beach, vor Anker auf offener Reede
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Zwischen Riffen
Wir steuern das historische Teimiussa in der Geyikova Demiryeri an. Einer der 4 Zufahrten zu dieser buchtartigen Wasserstraße führt durch eine Flachwasserzone mit ca. 5m Wassertiefe. Schutz bieten Inselchen und Riffe fast ringsum. Nur nach Südwest fehlt Schutz. Der SMS- Wetterbericht sagt jedoch nur schwache Winde voraus. So entschließen wir uns, hier in guter Gesellschaft mehrerer Gulets und Ausflugsboote zu ankern. Der Anker will nicht so recht greifen, hält aber bei 1600 Umdrehungen (Motorkraft imRückwärtsgang). Den Felsgrund bedeckt nur eine dünne Sandschicht. Eine wilde zackenreiche Landschaft! Ich rudere mit MICRO EOS eine der Felsinselchen an. Reste schön behauener Säulen und Torbögen lassen auf eine frühe dauerhafte Besiedelung schließen. Ein paar Ziegen bewohnen dieses Inselreich. Abends verlässt ein Boot nach dem anderen die „Bade-Bucht”. Dann gehört der Platz uns allein. Wegen des zweifelhaften Ankergrundes lege ich den Scheinwerfer bereit und suche in der Karte einen Notankerplatz, falls wider Erwarten unangenehmer Wind einfällt. Wie immer ist EOS vor dem Schlafengehen fahrbereit. Und wieder breitet sich das Firmament über uns aus. Neumond. Sternschnuppen.Weit in der Ferne blinken die Lichter eines kleinen Dorfes. Es wird eine friedliche Nacht.
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Wir steuern das historische Teimiussa in der Geyikova Demiryeri an. Einer der 4 Zufahrten zu dieser buchtartigen Wasserstraße führt durch eine Flachwasserzone mit ca. 5m Wassertiefe. Schutz bieten Inselchen und Riffe fast ringsum. Nur nach Südwest fehlt Schutz. Der SMS- Wetterbericht sagt jedoch nur schwache Winde voraus. So entschließen wir uns, hier in guter Gesellschaft mehrerer Gulets und Ausflugsboote zu ankern. Der Anker will nicht so recht greifen, hält aber bei 1600 Umdrehungen (Motorkraft imRückwärtsgang). Den Felsgrund bedeckt nur eine dünne Sandschicht. Eine wilde zackenreiche Landschaft! Ich rudere mit MICRO EOS eine der Felsinselchen an. Reste schön behauener Säulen und Torbögen lassen auf eine frühe dauerhafte Besiedelung schließen. Ein paar Ziegen bewohnen dieses Inselreich. Abends verlässt ein Boot nach dem anderen die „Bade-Bucht”. Dann gehört der Platz uns allein. Wegen des zweifelhaften Ankergrundes lege ich den Scheinwerfer bereit und suche in der Karte einen Notankerplatz, falls wider Erwarten unangenehmer Wind einfällt. Wie immer ist EOS vor dem Schlafengehen fahrbereit. Und wieder breitet sich das Firmament über uns aus. Neumond. Sternschnuppen.Weit in der Ferne blinken die Lichter eines kleinen Dorfes. Es wird eine friedliche Nacht.
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GERDI’s Rückblick
6 Beaufort und 15 Stunden in der nächtlichen Schiffschaukel!
Im Vergleich zum Vorjahrestörn in der mittleren Ägäis haben wir heuer eher mäßige starke Winde. Aber am 9. August überfällt uns fast ein böiger Starkwind, erst 4,5, dann 6 Windstärken, im Nu habe ich auf nackter Haut die Schwimmweste an und klinke den Lifebelt ein …Hohe Dünung macht das Kurshalten zum Sport an der Pinne. Von 18 Uhr bis früh um 9.15 wirft sich die EOS in dieser Dünung umher, ich kann nur quer zur Längsachse im Bug schlafen, es ist eine richtige Schiff-Schaukel …
KASTELLORIZON- griechisches Inselchen
Nach 8 Stunden mit wenig Wind laufen wir diesen malerischen Urlaubsort an. Wir laufen rund um das Dorf auf die andere Seite zum runden hafen. Die kleinen Häuser sofort als griechisch zu erkennen. 3 Kirchen. Glockenklang. Es klingt im Rhythmus wie „Betet an, betet an, betet alle Jesus an!“Und gleich daneben? Die Moschee. Morgen beginnt der Ramadan.


Wir entdecken einen von dichtem Weinlaubdach beschattetes Gartenlokal in der 2.Reihe: „Goat in the oven“ – Ziege aus dem Backofen. Das wär doch mal ‚ne Abwechslung. Ein Leuchtschild kündet „Maisel’s Weizen aus Bayreuth”! Eine Verheißung. Wir bleiben. Leider schadete der Stromausfall der Zartheit der Geiß, denn sie war noch nicht ganz durchgegart…aber die 5 Katzen nahmen gern die übrigen Teile…Und das kühle Maisel Bier mundete köstlich.
Traumhafte Buchten- Wieder in der Türkei
Am 11.August segeln wir 5 Stunden, traumhaft schön die grün bewaldeten Küsten, unbeschreiblich die ständig wechselnden Ausblicke, über und zwischen Inselchen, Felsriffen und wie hintereinander geschlichteten Berghängen, meist mit 45° schrägen Hängen bis ins Meer. Bei der schönsten Bucht wagen wir vorsichtig das Anlaufen zum Ankern. Meine Fotos sprechen für sich!! KARA AD – die Landurlauber von Göcek werden hier hergefahren zum Schwimmen. Fast kreisrund die hellen Felsen…Ich gehe mit Flossen zum Schnorcheln, glasklar das türkisgrüne Wasser, Schwärme mit kleinen silbrigen Fischlein schwommen mir gegen die Tauchermaske. Aber den großen Mantel-Rochen mit 50 cm Spannweite in den Flügeln sieht Gerhard, als er zum Anker schwimmt…
Eine Quelle am Ufer, 16° kaltes Süßwasser!
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Als wir am Freitagmorgen, 13. August, weitersegeln, haben wir teils schönen Wind . Ich „setze Gerhard aus“ im Schlauchboot, mit seiner Kamera. Dann segle ich allein mit einigen Wenden, Q-Wende und Aufschießer vor ihm her ! Wir haben nun endlich mal
Fotos von der Segel-Yacht EOS ,
die EOS unter geblähten Segeln und in voller Fahrt. Das war eine gute Idee!!!
Als wir um 16 Uhr wieder in der Bucht Ucagis vor der kalten Quelle ankern, nehmen wir zum Bade das Thermometer mit: das „eiskalte Wasser“ hat 16°, unglaublich. Weder die Kanadier noch der Brite samt Schäferhund hätten es für „so wenig eiskalt“ gehalten. Wir genießen es 3x, essen die letzten Vorräte (sogar den Zwieback der ZF’ler!).
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Dann geht der goldfarbene zunehmende Sichelmond neben dem Abendstern über dem Wald in der runden Bucht unter, bis zuletzt senkrechte Licht-Stangen als Spiegelung unter dem tiefschwarzen Abbild des Walds. Ich singe „Der Mond ist aufgegangen …der Wald steht schwarz und schweiget“ – wunderbare Dichterworte von Matthias Claudius. Später grunzt es laut und kämpft da draußen…ob es ein Wildschwein war?? Unheimlich in der dunklen lautlosen stillen Nacht….
Die Bilder als Show:
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624598725889/show/

Die Reisestrecke bis Göcek
MARMARIS ; BOZBURUN; CIFTLIK und zurück nach MARMARIS
Rückschau v. GERDI
Am 31. Juli kam um 17 Uhr bei ca. 40° sengender Hitze der Folklore-Sänger, Komponist und Bootsattler „Schwarze Wolke“, Karabulut, mit Sohn und Helfer an Bord der EOS.

Schwarze Wolke fertigt eine exakte Schablone
4 Stunden Präzisionsarbeit zeigen uns eindrucksvoll, wie man eine Sprayhood und ein Bimini „vermisst“ und mittels eines Doppelklebebandes(auf dem Gestänge festgeklebt) und Seilen und 8 cm-Stecknadeln aus Plastikplane eine perfekt sitzende Schablone anfertigt. Kompliment. Das Gestänge der neuen Sprayhood wird aus V4A-Stahl gebogen und 10 cm höher als das alte. Wir wählen in alter MARION-Tradition wieder einen grünen Stoff, forest-green. Beim Bimini wird Gerhards Gerüst bewundert, das man in der Seitenlänge ineinander schieben kann, also oben den nur mit 3,30 m Distanz im Seegrund fixierten Bohlen im Friedrichshafener Hafen angepasst und dadurch die Breite verschmälern kann! Wir bekommen Luxus-Reißverschlüsse, salzwasserfest. Falls ein Skipper auch ein neues Sonnendach , Persenning oder Polsterbezüge braucht, empfehlen wir, mit dem deutschsprechenden sympathischen Meister Kontakt auf zu nehmen: www.schwarzewolkeyacht.com. Er wird sich an die EOS-Crew gern erinnern. Ich malte ihm auch eine Schwarze Wolke, als Bild für die neue CD. Im Internet via google kann man sein Lied „Von Datscha bis nach Marmaris“hören. Er polsterte meine Bug-Liege neu, famos. „Kuschelweich oben, drunter fest“

Abends besuchen wir in der Marina das „La Fortune“( vorzüglicher Service, Erika!!J ), essen Köfte am Schwert gegrillt und Penne, gehen zum blog-Senden ins Internet, hören von Jojos Urlaub mit Sabina in Norwegen, mit Zelt und Wanderstiefeln,- als Bahnreise. Martin plant Insel-Hopping in den Kykladen, in der kühleren 2.Septemberhälfte.
1.August, Marmaris ade- für 2 Tage
Der Auftrag ist erteilt, der Vermessungstermin ist erst übermorgen. Nix wie weg von der schwül-heißen Marina…Die vielen um uns herum festgemachten Charter-BAVARIAS haben alle Klima-Anlage, es plätschert 24 Std. lang aus den Rümpfen, Niedergang und Luken sind meist fest verschlossen. .. In der EOS hat es 38°C. . Um 11 flüchten wir , Ziel die 2 Ankerbuchten von Ciftlik und Bozburun.
Wir segeln mit 3-4, später 5bft zur großen von Ansichtskarten bekannten Bucht Ciftlik.

Malerisch gelegen zwischen felsigen Bergen, davor eine Insel in Form eines Doppelhügels wie ein Bikini…Fast senkrecht ragen die Felsen auf, fast wie in den Dolomiten, darunter grüner Pinienwald. Ein Hotel mit Sandstrand(…mit Animateur und Disco-Musik!) , viele Touristen aus Russland. Herrlich kühl das Meer, „nur“ 24°C, eine Erfrischung…
Montag, 2.Aug.:
Früh um 5.50 Uhr geht’s sofort mit 6 Windstärken los. Reff in die Fock, 2 Reffs ins Groß. Böig und aus wechselnder Richtung, fast überfallartig werfen die Fallböen die EOS mit teils wohl 7 bft zur Seite. Die Neu-Charter-Kapitäne bergen bald alle Segel auf den wenigen andren Yachten. Steuern ist mal wieder Schwerarbeit an der Pinne. 7 Stunden Segeln, erst ab 11 ohne Reffs. Dann gibt’s im Cockpit unter geblähten Segeln Rührei und frisch gepressten Orangensaft! Wir ankern frei im Rund der Bucht vor Bozburun, was auf deutsch Grau-Nase heißt .
Nach dem Wasserfassen am Dorfbrunnen lassen wir uns aus der ganzen Lamm-Seite vom Metzger Lammkoteletts hacken.. Im Schaufenster baumeln die Hammel, ohne Kopf, der Haken zwischen den Hinterklauen…. In der Taverne genießen wir im Schatten der Bäume den starken türkischen Chai . Abends Stromausfall im ganzen Ort. Von einem ehem.Gastarbeiter (aus Hamburg) hören wir, dass es hier kaum Arbeitslose gibt, viele sind mit den 170 Gulets irgendwie beschäftigt, oder mit den Tavernen und Souvenirläden.Er hat hier eine kleine Pension, das DoZi ÜF für 25 €… Dann geht’s zurück nach Marmaris, der Fensterbauer mit einem anderen Pantryfenster und Schwarze Wolke erwarten uns.
Kaum Wind, motoren.
„SCHWARZE WOLKE“ , der Komponist, Sänger und handwerklich hervorragende Bootssattler, kommt samt fertiger Sprayhood und Heckpersenning, alles grün, um 4. Alles passt wunderbar, man vermisst noch die „Netze“ für die Persenning.



Unser neues Bimini
Dann kommt der junge IBIS mit dem neuen Pantry-Fenster (zum Öffnen und Lüften!). Der Fensterausschnitt im Mahagoni-Holz ist etwas zu klein. Er holt die elektrische Stichsäge und…schneidet auf 1 Schmalseite zu viel weg…Der Schreck ist groß. Das (gebrauchte) Lewmarfenster passt nicht mehr, es klafft eine Lücke neben dem Rahmen. Jammer. Nervosität. Gerhard bleibt standhaft: Überleg dir was…! Er plant einen formgenau angefertigten „Kragen“, einen Chrom-Rahmen hinter das Originalfenster…Ich bete …Er auch. Armer Plexiglasmeister…!
Ich nehme alle Bodenbretter aus dem Salon heraus und schrubbe mit Hilfe des Wasserschlauches und Haka-Schmierseife alle blauen, aufgeklebten Teppichstücke mit der Bürste. Wie neu nach dem Trocknen in der Sonne.

Bei der Moschee finde ich einen Silber-Juwelier, der mir beide Uhrenbatterien neu einsetzt, 2 wunderschöne neue Ohrhänger mit Koralle und Türkisen, für 20 €, passend zur Indien-Kette daheim. Auch ein Schuster wird gefunden, der mir meine orthopädischen nur ½ Jahr alten Sandalen neu besohlt. Die handgenähten Nähte und die Gummisohle lösten sich im Salzwasser auf!!! Spricht man einen Wunsch aus, ist sofort einer zur Stelle, um zu helfen. Die Juwelierin kennt den Uhrmacher der nächsten Gasse, der ruft einen Backgammonspieler in der kleinen Bar und jener sagt, sein Bruder macht mir die Schuhe bis früh um 9. Alles spielt sich in den engen Bazar-Gäßchen ab, schummrig das Licht unter schützenden Markisen, sehr gastfreundlich alle Dienstleister, man redet, ein andrer übersetzt das Englische, kennt einen da drüben, der etwas Deutsch kann (…er hat Betriebswirtschaft studiert ) und so gibt’s Handschlag, die Uhren sind mal kurz weg (ohne Vertrag oder Namensaustausch) und gleich wieder da Madame?? Kaltes Wasser? Bitte! Hier! Moment please) oder die Schuhe sind im nächsten Laden verschwunden. Als ich sie am Abend hole, ist ein andrer Türke auf dem Schemel neben den Wasserpfeifen und Teppichen, aber „jaja, ich weiß!“ – gleich sperrt er den Blechkasten mit dem 6 cm-Vorhängeschloß auf und da erscheinen meine Sandalen, neu besohlt, rutschfest, fein gecremt und poliert. 5 €.
Am Donnerstag, 5.Aug., kommt die Persenning. Ein dickes LOB den Spezialisten von der „SCHWARZEN WOLKE“ Beste Arbeit, wir können ihn nur empfehlen. Um 6 noch ein Gebet: Meister IBIS kommt, das Fenster mit dem neuen Chrom-Rahmen unterm Arm…Und Gott lob! Es passt… Da fällt uns dreien ein Stein vom Herzen. Danke an alle!
Um 19 Uhr, nch einem erfrischenden Dusch-Fest im Dusch-Haus an Land verlassen wir mit unsrer verschönerten, „grün bedachten“ EOS die heiße Marina Netsel und ankern vor der Stadt draußen, Nebel verhüllt die Hügel, 100 % Luftfeuchte schätzt Gerhard, und es ist fast wie so oft im „Löchle“ vor Bodman am Bodensee!! Auch früh dichter Dunst, als wir am Freitag mit MOTOR und Totalflaute gen Osten weiterfahren, Ziel Ankerbucht nördlich von Kara Bu.

Bleiern fast die See, kaum Sicht zu den Ufern. Beim Ansteuern der Bucht sind wir verzaubert von den grünen Pinienwäldern, die Zikaden kreischen, hinter einem Inselchen lugen spitzige Felsen aus dem Wasser, Wespen gelb-schwarz gestreift besuchen uns.

Wir schwimmen im glasklaren türkis leuchtenden Wasser, ein Seestern liegt im Sand neben unserem Anker, sagt Taucher Gerhard.
Das Einlaufen in solch eine Felsenbucht ist eine abenteuerliche Sache: Das Echolot zeigt draußen mehr als 300 m Wassertiefe. Wir biegen ein, 200m, 100m, 60 ° steil ist der Winkel der abgebildeten Meeresgrund-Formation. Dann 40, 20, 12. Bei 8 m WT fällt unser Anker. Immer wieder ein Erlebnis.
Als der Wind nachts dreht und von Land kommt, duftet es himmlisch süß nach Harz und Piniennadeln, wie Honig. Dankbar sind wir. …
Südlich von Göcek ankern wir, mit Landleine, in einer großen, von vielen Seglern und Gulets aufgesuchten Bucht, diesmal spricht das Luftbild und die Fotoserie für sich!

Die Bucht Skopea Limani, ein Paradies

Die EOS ist meistens die kleinste...
…die Bilder:
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624555702081/show/
GERDI’s Eindrücke von BOZBURUN
Samstag, 24.Juli 2010: Von Pethi auf der griech.Insel SIMI zur türkischen Bucht Bozburun
In knapp 4 Stunden segeln wir mit gutem Nordwest 4 die 13 Seemeilen rüber an neue türkische Ufer: Bozburun, eine kleine Hafenstadt, die heißt wie die Halbinsel.Es ist sehr heiß, das Thermometer zeigt zum 1.Mal 41°(…wie voriges Jahr in LEUCA/Südende von Kalabrien am Stiefel-Ende und auf Zakynthos…), das Meer hat 28°. Wie sagten Freunde in Bayern? Antalya und Zypern im Juli-August? Hölle!“
Beim Landgang fallen gleich die wunderschön aufgebauten Obstberge auf: dunkle große Kirschen, orange leuchtende duftende kleine feste Aprikosen mit pinkrosa Bäckchen, saftige rot-gelbe Nektarinen, vollreife große Pfirsiche, die nie den Transport bis zum Schiff überstehen, Druckstellen überall…Birnen, frisch aus der Schale geholte Mandeln, frische Feigen, rosa-violette kleine Auberginen der Region, Maulbeeren..

Reizvolle Küste
Gerhard hat die große Bucht von Bozburun als Ankerplatz erwählt.
In „Turkish waters and Cyprus pilot“-Yachtmen’s guide von Rod Heikell -steht für diese Bucht: „The „meltemi“ will send strong gusts off Kizil Adasi“! Also sehr starke Fallwinde!
Ab 18 Uhr preschen urplötzlich brummende, heulende Sturmböen 7-8 in die Bucht, fegen über die viele vor Anker liegenden Yachten. Wie wild sausen die Schiffe 180° um ihre Anker, unheimlich diese wilde Jagd an ihren Fesseln. Ein Schauspiel wie am Bodensee beim Föhnsturm. Fast alle Skipper stehen nun am Bug vorne und wachen über ihre festgekrallten Anker, beobachten die schwere Kette. Wir haben 40 m draußen…Die EOS hält sich tapfer. Das Meer poltert gegen die Bordwand, rauscht in den Böen und schäumt weiß auf. Dann um 21 Uhr: R U H E ! STILLE. Glatt die See…Nun tuckern die Schlauchboote eins nach dem andern an Land, landfein die Crews zum Essengehen in den Hafenlokalen…
Wir konnten natürlich nicht grillen am Heck! So schnitt ich die 500 g Rinderkoteletts aus SIMI in 4 mm-Streifen und brutzelte sie in 5 Chargen im Wok, in der Gluthitze der Kombüse, dazu habe ich 5-erlei Gemüse nach Thai-Art zart „rühr-gebraten“ im heißen Wok, in Ingwer-Knoblauch-Öl, dazu gab es duftenden weißen Basmati-Reis. Wir speisten im Cockpit , stilvoll aus Schalen und mit Stäbchen, im warmen gelben Schein unsrer Petroleumlampe vom Salon. Der Vollmond versilberte die ganze Bucht. Dazu erklang von der Taverne 2 Stunden lang klassische Musik! Eine Sinfonie, ein Violinkonzert, dann Buena Vista- Kuba-Klänge. Ein Traum.
Von Martin eine sms:“ Ich sitze gerade mit 6 bayer.Ministern am Podium in München, nach meinem Vortrag über Kunst und Wirtschaft, Lab binaer kam gut an, Kann mich seit 2 Std. nicht retten vor mail-Anfragen!“ Schön zu hören. Kompliment an den erfolgreichen Sohn+Unternehmer.
Sonntag, 25.Juli: Bozburun vor Anker: WINDSTILLE.
Wir holen Wasser am Dorfbrunnen. Abends paddeln wir rüber zur Laundry. Nein, die Wäsche ist nicht fertig. Am Abend gab es nicht genug Wasser und am Morgen fiel der Strom für den Trockner aus. Alles flattert auf der Leine….Im Holzofen backt man, wie Pizza, Teigfladen mit feinstem Hackfleisch, Pita und LAHMACUN. Wir essen eine mit Aubergine und viel Chili drauf. Es ist „Mäh und Muh gemixt“ – aha.
Abends bei Vollmond nützen wir noch das Internet, lassen uns Köfte (Hackbällchen, gebraten) schmecken mit essigsauren Seegrasstengeln, Auberginen- und Bohnensalat, ich trinke kühlen Ayran (aufgeschäumte Buttermilch, sehr beliebt in der Türkei zum Essen). Man spielt andalusische Tango-Musik, wunderschön. Wir 2 tanzen Tango, Chachacha, Rumba, Waltz und Samba. Vor Mitternacht relaxen wir beide im Liegestuhl auf dem Holzpaneel vor unserm Schlauchboot. Im Mondenschein tanzen im Seegang die Top-Lichter der vielen Yachten vor den schwarzen Bergen von Bozburun. Traumhaft schön…
Neben der EOS schwojt eine blaue alte Stahlyacht, die KATAMA, die Form ähnlich wie unsre gute alte MARION war, auch so „nah überm Wasser“ das Cockpit. Sie sei gerade von einer drei-jährigen Weltumsegelung zurückgekehrt!

Katama, das Boot des Weltumseglers
Friedlich alle Schiffe…Wie Geschwister, mit allen Nationalflaggen….Ein Paar aus Südafrika, Kapstadt, gibt uns die Visitenkarte eines Persenning-Machers in Marmaris. Und sie kennen unser Schiff aus jungen Jahren: sie kannten den 1.Besitzer der EOS, den „Heinz“ aus Meersburg. So klein ist die Welt. Wir fanden nie heraus, wer der Edelstahlbauer war…
Dienstag, 27.Juli: GERDI
Zur Traum-Bucht INCE
Geruhsames Segeln bei 4 Bft durch wunderschöne, felsige, waldreiche Küstenlandschaft mit Hügeln, halber Wind, rum ums Kap und an die Südküste.
Dramatisch schön das Durchsegeln einer engen Stelle bei den Inseln und Untiefen auf 3 m Wassertiefe. Gegen 16 Uhr steuern wir den Bug der EOS in die schon im Hafenhandbuch als Luftbild einmalig gelegene INCE- Bucht, zwischen senkrecht aufragenden Felsen, eng wie ein norwegischer Fjord, die Felsnadeln wie im Elbsandsteingebirge oder bei Tüchersfeld in der schönen Fränkischen Schweiz bei Hersbruck. Gerhard klettert hoch und fotografiert diese einmalig schöne Bucht.


Die Ince- Bucht
3 kleinere Gulets mit Landleine teilen sie sich mit, 5 Seglern, am Abend kommen noch 4 Fischer und hängen sich alle an die einzige Boje. Die Paare hocken im Kreis im größten Boot und essen das in Edelstahl-Kasserolen vorgekochte Essen.
Dazu gibt es Wasser und Ayran, die zum Essen beliebte Buttermilch aus einem mitgebrachten Eimer. Vergnügt lachen sie beim gemeinsamen Mahl. Wir grillen Steaks am Heck. Im Schein des Vollmonds flöte ich Abendlieder. Das gefällt den Nachbarn. Der Fischer ruft: „Bravo!“
Der Fallwind fällt immer häufiger von den Felsen in die Bucht…Die Schiffe „geigen“ und die EOS macht sich auf in Richtung Fischerboote.
Die Windrichtung hat gedreht, die Landleine wird lockerer…“
Alaman!!!!“ ruft ein Fischer rüber.“Bayan!!“(Frau!) Sie helfen mir, die EOS abzuhalten, die fast zärtlich die Nähe der behäbigen Holzboote sucht. Gerhard springt ins Schlauchboot, paddelt behände ans Ufer und zerrt die EOS an ihrer Sicherungsleine am Land in die richtige Richtung, macht die 50 m Leine fest an einem Felsen am Ufer.
Alle Anker halten, aber die „gusts“, diese scharfen, brummend-heulenden Fallböen lassen keinen richtig schlafen. Fast jeder Skipper läuft im Mondschein immer mal zum Bug und prüft die Kette. Früh bei Sonnenaufgang sind wir alle müde…, zu kurz waren die Schlafphasen. Ein junger Hirte kommt mit seinem Kahn in die enge Bucht, klettert an Land, lässt 4 schwarze seidig-glänzende Kühe und ihr Kälbchen frei. Die Fischer erwachen, sie schliefen auf Polstern mit Decken und Kissen auf Deck, kuscheln und schäkern nun wie auf einem Diwan, essen dann Joghurt und Tee. Um 8 Uhr gehen wir Anker auf, etliche Yachten folgen unserem Beispiel.
Mit guten 6 bft segeln wir an bewaldeten Hügeln die Küste entlang, zwischen kleinen Inseln durch, wir fühlen uns erinnert an den Bregenzerwald, an die baumlosen felsigen Gipfelregionen der Dolomiten…
Dann taucht die Touristenstadt MARMARIS auf. Sie wurde 1958 von einem Erdbeben heimgesucht. Blaue Umweltsiegel-Fahnen flattern an kleinen Stränden, dahinter Wald, Appartments im Schatten, große Hotels, Wasserrutschen-Areale von –zig Tausend qm. Dorado der Touristen aus Holland, England, Frankreich, Deutschland. Unser vorbestellter Liegeplatz in der Marina ist frei, es wird unsere 3. Marina in 10 Wochen Urlaub, und unsere 3. Dusche!! Die kalte üppige Süßwasserbrause im Badekomplex ist eine Wonne. Davor ein Jasminbaum, dessen Duft vom Wind in das marmor-geflieste Gebäude trägt! Orientalischer Luxus. Sauber, duftend, winddurchblasen.
Schön sind die kleinen Häuser mit den Restaurants rund um den Hafen, sehr gepflegt die Gulets, die Spezialität der türkischen Ferienzeit.

Dann kommt der herbeitelefonierte Persenning-Schneider an Bord: „Schwarze Wolke“ nennt er seine Firma, so heißt sein türk.Name auf deutsch. Er war lange in Fulda, spricht fließend deutsch, singt Folklorelieder, die er selber komponiert und textet! Er wird die in 35 Jahren durchgelegene Matratze mit einem neuen Schaumstoff füllen, die Sprayhood neu anfertigen und das Bimini mit grünem Stoff UV+50 beziehen. Der Nachbar der Näherei ist ein Plexiglas-Fachmann. Und als der deutschsprachige 30 j. Fachmann “Ibis” an Bord kommt, werden wir uns schnell handelseinig: 8 neue wieder durch-sichtige Fenster für die EOS. Das seh ich mal als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für Gerhards 63. an. Der Meister trennt gleich die alten blinden Fenster aus dem Mahagoni-Aufbau. Wir haben „Durchzug“ im Salon! Himmlisch!
Voller großer Pläne für diese Reha-Kur für unsere 36 Jahre alte Segel-Lady bummeln wir mit Tausenden fein gewandeten Touristen an der breiten Promenade entlang, entscheiden uns für einen winddurchblasenen, nur tisch-breiten Balkon im 1. Stock, essen als Vorspeise Mezzes(sauer eingelegte Gemüse), danach Beef Madras und gedünsteten Fisch mit Gemüse-Julienne, warten 1 Stunde geduldig auf dieses delikate Mahl mit Blick über die weite Bucht und die großen Gulets ….Das i-Tüpfelchen nach dem Mahl: Ein feiner heißer Chai mit Würfelzucker im zierlichen, tulpenförmigen Teeglas auf kleinen Porzellan-Tellerchen mit Goldrand: Urlaub!
1 Nacht ankerten wir vor den Hotels an der Palmen-Promenade, frei in der Bucht, Blick auf die vielen Gulets und dahinter die bunt illuminierte Häuser- und Restaurant-Meile. Parasailing: da wird man am Seil hinter einem Motorboot hochgezogen und hängt unter einem halbkugelförmigen bunten Fallschirm. Dieser Spass geht bis um 20 Uhr, die Disco-Techno-Musik-Gulets ziehen ihr Kreise in der Bucht bis um 1 Uhr nachts.

Ein Gulet
Eine fröhliche Stimmung an Bord, sie fahren ganz nah an unser Schiff heran und rufen tanzend rüber. Wir freuen uns über den uns fast kühl umschmeichelnden Nachtwind, der vom Land weht. Gerhard schläft an Deck am Bug vorne, beim Ankern also der komfortabelste, windluftigste Platz. Neben uns Spanier, Kanadier, alles Langzeit-Segler.
Zum Schluß noch ein Tip für Genießer der orientalischen Lebensart: Guckt mal im Internet nach, wie schön die alte Karavanserei in CESME wieder aufgebaut wurde, nun als Boutique-Hotel. Im blog schriebe ich bei Cesme am 8.Juli darüber, wir waren dort im Innenhof und auf dem zauberhaften Dachgarten mit Erika beim Essen: www.cesmekervansaray.com
Die Bilder als Show:
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624498966235/show/
Gerhard, Symi, Südliche Türkei, 23. Juli 2010
Der Unternehmer in der Bucht

Am frühen Nachmittag: Wir laufen in die Bucht Dirsek ein. Einige Yachten liegen vor Anker, mit der Landleine zum nahen Ufer. Auch wir werfen den Anker. Ein Boot nähert sich und bietet sich an, die Landleine entgegenzunehmen. Das nehmen wir gerne an und im Nu hat sie der freundliche Helfer an einer vorbereiteten Mooring befestigt. Ich drücke ihm ein Trinkgeld in die Hand. Als alle Abschlussarbeiten auf der EOS erledigt sind und der Motor ruht, nähert sich sein Boot wieder. Unser Helfer schlägt die Decke vom Boot zurück und bietet uns Souvenirs, Ringe, Kettchen, Tücher, handgewebte Decken und Kelim-Teppiche zum Kauf an. Wir haben wirklich keinen Bedarf, stellen aber im Laufe der Zeit fest, dass er bei anderen Ankömmlingen Geschäfte tätigt. Abends kommt unser Kaufmann noch mal und fragt, ob wir am Morgen Brot möchten.

Das wollen wir! Anderntags noch vor Sonnenaufgang –ich schlafe im Cockpit- ist die Frau des Helfers schon mit Brotbacken zu Gange. Alles ganz improvisiert, Die beiden leben unter einem einfachen Sonnendach, haben eine Liege für die Nacht und einen Backofen aus aufgeschichteten Steinen.

Das Brot, ein einfaches, gutes Fladenbrot, wird den Yachten an Bord gebracht. Es kostet 5 Türkische Lira, normal sind 2 TL. Ein ordentliches Saisongeschäft für eine Unternehmerfamilie!
GERDI, am 23.Juli
„Was macht ihr denn die ganze Zeit so am Schiff? Wird’s dir da nicht langweilig??“
Eine oft gestellte Frage. Ich guck mal ins Logbuch:
Kos am 18. Juli:
1.Ich moniere einen eindeutigen WC-Geruch, wo er nicht hingehört, im „Getränkekeller“ im Salon unter dem Tisch. Muss wohl ein winziges Leck am WC-Tank unter meinem Bett im Vorschiff sein, das läuft dann vom Bugbereich in die Bilge. Gerhard findet die kleine Undichtigkeit am Einfüllstutzen des Kunststofftanks, schraubt alles ab, säubert im Cockpit, igitt, die Teile und dichtet neu ab. Er sieht mit Gummihandschuhen aus wie ein Arzt! Alles im Bilgenfach wird gründlich mit Neutralseifenlauge und Essig gewaschen und mit Sagrotan eingesprüht. Ich mach mich gleich an den Hausputz innen. Alles frisch. Dann wollen wir um 10 Anker auf gehen.
2.Der Heckanker hat sich in den nach uns geworfenen Anker einer holländischen Yacht verkrallt. Tauchen auf 3 ½ m. Der Skipper als Sportler. Der Holländer geht Anker auf und umkreist uns. Dann aber hängt unser Anker wieder fest. Diesmal im einzementierten Mooring-Anker eines Einheimischen. Gerhard taucht erneut, hebt unseren Anker über dieses Seil, taucht wieder auf. Und los geht die Reise.
3.Wir bemerken, dass uns so eine türkische 30 m- Luxus-Segelyacht aus Bodrum beim Ausfahren aus der sehr engen „Parkbucht“die Bimini-Stange abgefahren hat. Deren Relingstützen waren höher als unser Sonnendach.
Wir segeln wunderschön an die türkische zerklüftete Küste und ankern ganz allein in einer traumhaften, smaragd-grün leuchtenden Bucht! Günaydin Türkei. Die rote Gastflagge mit dem weißen Halbmond flattert im Wind. Am Strand bimmeln die Glocken der 3 Kühe. Ziegen meckern. Sonst kein Laut. Erfrischend kühl ist die sternklare Nacht. Erstaunlicherweise haben wir Südwind statt Meltemi. Früh lege ich eine Putzschicht ein, säubere mit Herbosan alle Teppichfliesen auf den Bodenbrettern, wasche alle Chromteile und Fenster. Nach dem Frühstück segen wir mit Leichtwind vorbei an schroffen Felsen. Als wir um 14.30 Uhr ankern, erinnert uns mich die Umbebung an Südnorwegen, der Törn 1976. Wie in einem Fjord, grün, grün, grün. Unglaublich.

OVA Bükü. Bäume, eine Taverne, viele ganz fröhliche, aber nie laute Familien am Strand der runden Bucht.Die Väter spielen mit Engelsgeduld mit ihren Kindern, die Geschwister kümmern sich lilebevoll um die Kleineren… Die Tischdecken des Lokals sind bestickt, jede anders, es duftet nach frisch gebratenem Fisch und deftigen Köfte=Hackbällchen vom Grill. Sogar wireless Internet hat der liebenswürdige Wirt zu bieten…Nachts schaukelt es lebhaft, aber wir sind es gewöhnt… Vor 1 Jahr waren wir 3 Tage in Leuca, Starkwindphase, 40° Hitze…
Am 20.Juli ankern wir vor der Hafenstadt Datca, sprich Datscha, viele große „Gullets“ liegen hier bereit, sehr schöne gepflegte Segler aus Holz, 15 – 25 m lang. Man mietet sich ein für 1 Woche, es gibt Doppelkabinen, Duschen, Barbecue am Schiff, Fitness-Trimmgeräte an Deck. Aber sie sind „leise“! Keine laute Disco-Musik am Abend. Aber Wasser-Mopeds und Wasserski.
Nun sind wir 8 Wochen auf Segeltörn! Das ist ein Drittel unsrer geplanten Zeit. Langweilig ist es uns noch nie gewesen.
Aber heute, am 23. Juli auf der griech. Insel Symi, hat uns die Hitze erwischt: 41 °C. Die Frau im Supermarkt sagt, das bleibt nun so bis Mitte August: „Tagsüber kein Wind und alle bleiben drin, am Abend dann Wind, Meltemi.“
Als wir um 18 Uhr noch in der heißen Sonne zum Ende des Dorfes Pedi hochsteigen bis zur hochgelegenen Kirche, rinnt der Schweiß in Strömen. An die Hitze muß ich mich nun ganz schnell „gewöhnen“.

…und hier die Bilder dieser Reisestrecke
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624444212297/show/

CESME - MARINA: 4.Juli
GERDIS RÜCKBLICK
Mit heftigem Wind 6+ segeln wir an Untiefen und einem mit Masten aus dem Meer ragenden Schiffswrack vorbei nach Cesme. Trutzig ragt die Burg der Ottomanen aus dem 17. Jahrhundert mit ihren hohen Mauern über die Hotelmeile. Wir sind überrascht: Ein adrettes neues Hafenareal liegt vor uns!
Zur Erinnerung:
- Cesme Ende September 2009 war ein leerer, ausgebaggerter Hafen, einige Pontons waren verankert, ein Clo-Container auf der großen freien Fläche, es regnete in Strömen.
- Cesme im Juli 2010: ein idyllisches Dorf mit vielen kleinen neu erbauten Häuschen und schicken Läden, Restaurants, Hafenamt!

Cesme, Restaurant in der neuen Hafenmeile
Terracotta-rote Ziegeldächer, Blumen vor den Fenstern, reizvolle Kleeblatt-Öffnungen an den neuen Duschgebäuden, himmelblaue Tavernen neben rosa Cafés, ein Hafenamt mit würdevollen, Ehrfurcht einflößenden hohen Säulen, Marmorböden, golden beschrifteten Pflanzpötten, die Strom-Wasser-Stelen an den Anlege-Pontons mit effektvollen blauen Leuchten, überall wachhabende Security-Leute in weißer Uniform, auch Damen. Fotografieren im Hafen nicht erlaubt, dauernd fragt uns wer nach unsrem Schiffsnamen.

Granatapfelbaum, Natur und handgemalt!

Cesme, eine schön bemalte Decke am Portal
Wir trauen kaum unsren Augen! In nur 6 Monaten haben die fleißigen ehrgeizigen Türken ein Kleinod erschaffen, eine Création aus Kunst und Style, ein Produkt aus Tradition und historischen Bau-Stilen, zwischen Kunst und Kitsch. Jedes Lokal in einem eigenen Stil, unterschiedlichsten Stühlen und Polster-Möbeln, Sonnenschirmen, Bar-Theken, Laternen, innen Stehlampen und Lüster mit Murano-Glas!
Die Wege mit Naturstein gepflastert, die Treppen von Hand mit Blumenmustern bemalt, die Decken der großen Portale am Eingang zur Marina mit orientalischen Ranken und geometrischen Ornamenten, Blumen, Blattwerk. Das große schmiedeeiserne Tor zeigt lebensgroße Kolibris, die an aus Eisen nachgebildeten Blüten Nektar saugen. Naturgetreu gemalt „wachsen“auf den Hauswänden die Maulbeer- und Olivenbäumchen bis zum Dach, die davor in Tontöpfen gepflanzt stehen. Eine kleine Bogen-Brücke in der Form der Rialto-Brücke in Venedig führt über einen Meerwasserarm zu einem kleinen flachen Hafenbecken hinter dem Marina-Dorf. In allen Lokalen reges Treiben, die Ober in eleganten Schürzen, sehr jung alle, sehr bemüht. Das Défillé der bummelnden Besucher, dichtgedrängt, an den weltstädtisch dekorierten feinen Modegeschäften vorbeiwogend, ein Brennpunkt der Neugier, denn der neue Hafen ist erst seit 14 Tagen fertig und eröffnet.

Handgeschmiedete Kolibris im Portal
Wir sind überrascht und voller Bewunderung – ein Kompliment den Planern, Camper&Nicholsons, Schiffsbau- und Marina-Designer. Kein konkurrierendes Land am Mittelmeer hätte das in dieser Zeit auf die Beine gestellt. Die Griechen sollten mal Erkundungsreisen hierher machen und nacheifern im Fertigstellen solcher Planungen!
Wir bummeln durch Cesme, an den Teelokalen vorbei, den Juwelieren, den kleinen Dönerlokalen.
In der Karawanserei speisen wir von edlem Geschirr, unter Arkaden mit im Wind wehenden Mousselinvorhängen auf der Empore, deren Decken reich ausgeschmückt sind von Ornamenten aus Suleimans Zeiten. Wir sitzen auf dem mit Glasscheiben abgedeckten Wasserbecken, gespeist von der Naturquelle zwischen Felsen…Fast gotisch anmutende Spitzbogentüren vor den Hotel-Zimmern, bunt und golden gemalte Ornamente an den Wänden, Palmen fächeln Wind mit ihren Wedeln.

Cesme, vorzügliches Mahl in der neu eröffneten ehemaligen Karawanserei
Ayran, das für die Türkei typische Getränk, wird von silbernen, getriebenen zierlichen Metallkellen getrunken, ruhend in Silberschalen, die diversen Vorspeisen werden von 2 „Dienern“ auf kleinen Tabletts serviert. Auberginen-Mus, undefinierbare grüne Pflanzenstengel, Weizenkeime in Buttermilch, Ruccolablätter, Joghurt mit Dill und Knoblauch, Chili-Zwiebel-fPetersilile-Rohkost, frische Gurken und Tomaten mit Maiskörnern, dann Lammfleisch von einer heißen Stahlplatte, als Dessert Grießschnitte mit Zimt und eiskalte Kirschen.
DER SULTAN wäre entzückt gewesen. Auf der Visitenkarte der „Alten Karawanserei“ steht auch das Wort SERAIL, wir haben fürstlich gespeist. Für 45 türkische Lira, ca. 20 € pro Person. Die edel möblierten Suiten (wir sehen die Portale auf der luftigen Empore) - mit riesigen Himmelbetten unter Volant-Gardinen, prunkvollen Badezimmern und Blick übers Meer, wären wohl unbezahlbar.
Den Chai nehmen wir oben auf dem Dachgarten ein. Die Kuppel wird rot und blau angestrahlt, wir genießen den Blick über Marina und Castell.
Cesme, 6.Juli: ERIKA kommt.
Mit etlicher Mithilfe zahlreicher türkischer Bürger hangeln wir uns von Busstation zu Haltepunkt und mit Zeichensprache und englischen Wortfetzen der andren Wartenden an den Haltestellen finden wir schließlich zum internationalen Flughafen von IZMIR!!! Nach 2 Stunden geduldigen Wartens kommt Erika um 17 Uhr als erster Passagier mit Rucksäckle und ohne Koffer fröhlich durch das Gate am Arrival!! 1 Stunde im Bus über Land. Moscheen, Wohnblocksiedlungen, Autobahn-Outlet-Monster, Auto-Anbieter,…das Meer.
Cesme.Wir führen Erika aus ins Serail, sie parliert auf Englisch perfekt und charmant mit dem Trainee, dem jungen Ober, der ebenfalls Hotelmanagement studiert, über Service, Erasmus-Auslandsstudium und Praktika in aller Welt. Und wir sitzen noch auf dem Roofgarden, eine eigens für uns gebrachte weiße Stola um die Schultern…der starke Wind ist kühl… Stolz sind wir auf unsre weltgewandte große Tochter.
Mittwoch, 7.März
Um 5.30 Leinen los, Ziel Insel Samos und SEGELN.
Gleich nimmt der Wind zu! Bis um 10 Uhr sind es böige 5 Windstärken. Die See stark bewegt, wir steuern abwechslend von Hand. Gerefft die Fock und das Großsegel. Unruhig wirft sich die Eos in den Wellen, Gottlob kommt der Wind achterlich und nicht von vorn.
Nach fast 12 Stunden Seefahrt in Ölzeug und Südwester bei stark böigem Wind und unangenehmem Seegang, Erika schläft viel im Salon und muß keine störrische Schwimmweste anlegen, tasten wir uns nach 17 Uhr in die Bucht Mourtia.

Samos. Erika und ich steigen hoch zu einem Kloster
Anker ab, die Böen zischen pfeifend von dem Berg herab, unaufhörlich. Aber wir lassen uns den Spass nicht verderben, grillen am Heck unsre Lammfleisch-Spieße und essen Ruccola-Eisbergsalat.
Sternklar die Nacht, böengeschüttelt. Kein Abflauen, im Vorschiff ist es höllisch laut vom Windgeheul und von der knarrenden Stahlkette des Ankers, auf den voll der Wind steht. Dank Kurzwellenempfang ab ca. 22 Uhr kann ich das Halbfinale hören:
WM Fußball: Deutschland verliert 0:1 gegen Spanien.
Donnerstag: 8.Juli
Wir segeln bei kräftigem Wind und hohen Wellen bis Pythagorio Marina Samos. Auch in der Marina hören die scharfen Böen nie auf. Gerhard und ich laufen ins Städtle rüber und in der großen Bucht ankern Segler in fast friedlich im fast windarmen weiten runden Hafenbecken. Unglaublilch. Wir besuchen die üppig ausgemalte orthodoxe Kirche, vom Tonband ertönen die wunderschönen alten Mönchsgesänge. Wir entzünden 3 handgezogene Wachskerzen für unsre Kinder und eine dicke für den Vati-Opa, der nach 3 Wochen wieder heimkehrt von der Reha nach Nürnberg.
Freitag, 9.Juli: Zur Insel Fourni, südlichste Bucht.
Von 8.45 – 13 Uhr mittags sportliches Segeln! Die Eos kämpft tapfer, ob es 6 oder 7 bft sind, ist schwer zu schätzen.

Rauschende Fahrt trotz schlecht gesetzter Segel
Rauschende Fahrt. Weiße Gischt fliegt über die hohen Wellenkämme, legt sich in Streifen aufs Wasser. Dazu Sonnenschein über wild bewegter See. Erika erlebt richtige Seefahrt – und es macht ihr Spass. Immer 6-7 kn Fahrt, schneller kann die EOS nicht. Nach 4,5 Std. tasten wir uns gegen 13 Uhr in eine von Böen gepeitschte Bucht unter steilem Hang. Es bleibt vor Anker stürmisch, Böen rasen übers Wasser, eine ausgebrachte Landleine reißt sich 1x los und die Kette slippt über den kleinen Felsvorsprung.
Wir lassen uns die Ferienlaune nicht nehmen: Erika wünscht sich mittags Spaghetti, o.k., und abends gibt es Hühnerbrust mit Thai-Gemüse aus dem Wok. Pfeifend und bissig röhrt der starke Wind die ganze Nacht lang.
Freitag, 9. Juli : GERHARD
Wieder bei rauschender Fahrt nur mit Fok steuern wir die zerklüftete Insel Fourni an. Diese kleine buchtenreiche Insel liegt zwischen der 1000m hohen Insel Ikaria und der 1400m hohen Insel Samos. Der Wind wird zwischen diesen Bergen „eingepresst“ und nimmt an Stärke zu. Das wird noch verstärkt durch zwei 400m hohe Berge auf der Insel Fourni. Hier dazwischen nimmt der Wind nochmals zu. Die Segelanweisungen im Handbuch würdigen den Wind in den Buchten dieser Insel auch entsprechend als außerordentlich bzw. „very strong, frequently frantic and with violent gusts“. Daher wähle ich die südlichste Bucht aus, in der ich mit den wenigsten Böen rechne. Erika und ich bringen in dem klaren türkisfarbenem Wasser eine zusätzliche Landleine aus. Gegen 18 Uhr nehmen die Böen auf etwa Bft 9 zu. Wir aber liegen sicher wie in Abrahams Schoß, während die Böen die Wellen wie kleine silberne Fischschwärme aufwerfen und ganz schnell an der EOS vorbeiflitzen.
Samstag:10. Juli:, GERDI
Zur Insel PATMOS
Ankern in der Felsbucht GRIKOS–SAMOS.

Erika bewährt sich an der Pinne, Kompliment!
Erika steuert 4 Stunden sportlich und versiert alleine durch stark bewegte See, bei kräftigem Wind. Kompliment. Zuverlässig und unerschrocken bedient sie das Ruder. Unser im Vorjahr entdeckter kleiner von Felsen umgebener Ankerplatz in der Bucht vor GRIKOS ist frei! Anker fällt um 12. Oben die Johannesburg mit ihren 15 m hohen Mauern und die in der Sonne leuchtende Chora, die Oberstadt, in der sich die Dorfbewohner, die sonst in der Scala unten wohnen, vor den Piraten verteidigten. Morgen werden wir um 6 hochwandern und den Morgen genießen.
Ich hole die Schwimmflossen und die Tauchermaske und geh vom Schiff aus schnorcheln. Herrliches Wasser.
Gerhard und ich wandern an der Felsküste entlang zum Badedorf GRIKOS.
Am Abend installiert der Skipper mit Mühe und viel Geduld einen neuen Elektrostecker für das Ladekabel der Solarzelle. Sieg! Er funktioniert nun wieder zuverlässig. In den vergangenen 7 Wochen waren wir völlig „autark“ und nahmen auch in Häfen nie Strom vom Land.
Sonntag, 11.Juli
Aufstehen um 6.30 Uhr. Ein sanfter sonniger, kühler Morgen.Nur ein weißes großes TUI-Kreuzfahrerschiff verlässt den Hafen drüben und zieht hinter dem wellen umtosten Riff vorbei. Wir wandern hoch zu der wie eine weiße Mütze auf dem Berg sitzenden weißen Stadt CHORA. Um 7.15 ist noch keiner wach. Nur in der Kirche singen die Popen, sehr festlich gekleidet in Schwarz-Weiß kommen erste Kirchgänger. Weiße Schleier an dicken Kerzen werden gebracht – eine Taufe? Eng die sauber gefegten Treppengassen, hinter den Fenstern Kerzen in großen Laternen, über den Türen überall das typische symmetrische Johannes-Kreuz in den Naturstein gemeißelt. Die Souvenirläden sind noch alle geschlossen, wunderbar diese Stille. Das hochgelegene Johanneskloster, eine Burgfestung, wird nur von weißen Tauben umflattert.
Wir trinken einen Kaffee auf der Terrasse hoch über der Bucht. Unten hat ein superfeines matt-schwarzes „kleines“ Kreuzfahrschiff angelegt. Levante. Erika guckt etwas „begehrlich“ und job-orientiert hinüber. Aber jetzt ist erst mal Segelurlaub und Australien im Programm.
Bummel durchs Hafenstädtchen, im Bus zurück. Spanien wird Fußball-WELTMEISTER , 1:0 gegen Niederlande.
Ruhige Nacht. Sternklar.
Montag, 12. Juli 2009: GERDI
Ein goldener Morgen. Baden im Meer. Frühstück mit Ei. Und dann eine flotte Segelei mit über 6 kn und 5 Windstärken nach LIPSI.
Sehr gepflegt und einladend! Tiptop die Studios und Appartement-Häuser. Üppig grün eingewachsene Terrassen mit Blütenpracht. Alle Wände weiß gekalkt, die Treppenstufen farbig abgesetzt, ordentliche Schilder an den Tavernen, Mülltrennung Plastik-Papier-Metall-Glas (aber kein einziger Restmüll-Container!), ein Helfer gibt am Hafen jedem Skipper jene 4 Tüten! Rosa, gelb, grün, blau.
Am Abend finden wir ein sehr ansprechendes Lokal, der Wirt singt beim Auftragen der Gerichte, empfiehlt uns mit schnalzender Zunge den „octopus-boiled“ (warm, in Essig-Sud gekocht, wundervoll drapiert und verziert kommt er auf einer 45 cm-Platte. Endlich gibt es mal die von mir so geliebten Dolmades, Reis in Weinblätter gehüllt! Die Moussaka (Hackfleisch-Kartoffel-Schafskäse) kommt im Tontopf überbacken und die Kalamari vom Grill sind ebenso lecker. Köstlich der weiße Hauswein im braunen Tonkrug. Da ich auf griechisch ein Lied singen kann, haben alle einen Ouzo frei. Gut gespeist! Bei sehr ansprechender Musik. Erika geht noch bis um 3 „ins Internet“ um mit den Freunden zu kommunizieren. Früh entdecken wir, dass die neben uns liegende deutsch „BLUE PEARL“ nach 3 Jahren von einer Weltumsegelung zurückkehrt, via Samos, Thailand, Rotes Meer,…und nun geht’s heim über die Biscaja an die Ostsee. Interessiert? Probiert’s mal: http://www.sy-blue-pearl.de/
Wir telefonieren mit der Marina KOS, da wir am „überlaufenen“ Freitag einen Liegeplatz benötigen, um Erika am Samstag zum Flughafen zu bringen. Puh! Voll ausgebucht. Man habe eine Groß-Regatta mit zahlreichen Yachten. Man merkt die EOS mal vor. Daumen drücken! Sonst ankern wir aim alten Hafenrund an der Bastion, neben den traditionellen türkischen Dickschiffen für die „Daily tour Bodrum!“
Gerhard
Gläubiges Lipsi
Lipsi, die kleine Nachbarinsel, 10 sm östlich von Patmos:
Von unserem Liegeplatz zähle ich 11 Kirchen und Kapellen, alle in und um das Dorf.
Auf der flotten Herfahrt ist mir eine Kapelle mitten in den Bergen aufgefallen. Da es Seglern an ausreichender Bewegung mangelt, will ich diesen Ort aufsuchen – wenn ich den Weg finde. Eine Autostraße führt zuerst auf dem Bergrücken, dann auf der Nordseite unten am Meer in den westlichen Inselteil. Ein Abzweig windet sich den Berg hoch, an der Sperrmüllkippe der Insel vorbei zu einem besonderen Ort. In einem ummauerten Gelände stehen 3 Kapellen, verschiedene kleine Häuschen, man sieht einfach ausgerüstete Küchen durch die Fenster, Geräte liegen auf den Tischen, als wären die Bewohner nur kurz weg. Draußen stehen Denkmale oder sind es Grabsteine (?) mit Büsten von Soldaten und griechischen Inschriften. Einige Ställe beherbergen Tiere und sogar ein Pfauenpaar. Das Rätsel bleibt ungelöst.
Ein Bergpfad zweigt ab in Richtung des Kirchleins am Berg. Er wurde erst vor kurzem gründlich ausgebessert. Frische Meißelspuren an den Steinen zeigen das. Nach 2 km stehe ich vor der Kirche mit einer überwältigenden Aussicht auf Berge, Meer und Inseln. Angebaut an die Kirche ist eine winzige „Wohnung“ mit einem offenen Herd, einem Stuhl und einem Klapptischlein, aber ohne Schlafstelle. Hier hat, vermute ich, ein Einsiedler gelebt. Jetzt sind die Gegenstände verkommen, Müll müsste entfernt werden. Die Kirche aber erstrahlt, wie alle, an denen wir vorbeikommen, in strahlendem Weiß-Blau. Über einen vollkommen gepflasterten Weg mit kräftiger Mauer zum Abgrund hin verlasse ich diesen besonderen Ort. Der kilometerlange Weg muß erst im letzten Jahr mit viel Aufwand (und Kosten) erstellt worden sein.

Lipsi: Ein komfortabler Weg zur ehemaligen Einsiedelei
Warum? Er führt doch nur von einer unbedeutenden Bucht zu diesem schönen aber verlassenen Ort. Auch an dieser Bucht steht eine Kapelle mit einer noch winzigeren Wohnung. Alle Geräte, die man zum Leben braucht sind vorhanden, Teller, Gläser, Besteck.

Lipsi: Als wäre die Einsiedelei bewohnt
Ein Gaskocher mit gefüllter Gasflasche. Einige Bilder zeigen einen uralten bärtigen Mönch. Ein Stall mit Streu hatte wohl noch kürzlich ein Tier beherbergt. Alles verlassen und offen. Eine kleine Quelle tröpfelt auch. An diese einsame Bucht führt eine breite Straße, gleichfalls ganz neu. Die Bucht selbst bietet aber nur Platz für ein paar Badegäste. Gerne hätte ich gewusst, was sich hinter diesen eigenartigen Orten verbirgt, wer und warum diese erheblichen Baumaßnahmen veranlasst (und wer sie bezahlt). Wohl steckt ein tiefer Glaube hinter all dem Rätselhaften.
Wieder mit 6 Bft- Meltemi südwärts, entlang den gebirgigen wilden Westküsten der Inseln Leros und Kalymnos, sehr beeindruckend. In der kleinen Bucht Vlycharia im Süden von Kalymnos zeigt uns der Meltimi seine Kraft, wenn er von 500m hohen Bergen herunterprescht. Die EOS zieht mit aller Kraft an ihrem Anker, doch der krallt sich unerbittlich im guten Sandgrund fest. Die ganze Nacht heult er in den Wanten. Ich schlafe außerhalb um immer mal wieder den Standort zu peilen. Am anderen Morgen hält uns nichts mehr in dieser Düse und wieder geht es mit hoher Geschwindigkeit und gerefften Segeln südostwärts. Der Volvo kann sich ausruhen. Diesmal ist Gerdi von 9 – 13 Uhr die Steuerfrau, bewegte See! Kos Marina ist belegt und so parken wir im runden, schönen Hafen mitten in der Stadt Kos. Diese Stadt mit ihrem mächtigen Bollwerk ist Fährhafen und viele Gäste bevölkern die engen Gassen mit den vielen Tavernen und Souvenirläden. Mir scheint es, als wären diese von Touristen so vielbesuchten Inselorte allsamt austauschbar. Kos, Mithymna, Hydra, alle Ortsstraßen und Bazargassen
gleichen sich.

Kos: Unser Ausflug mit dem Auto

Kos: Kap Daphne, von Erika fotografiert
Anderntags mieten wir ein kleines Auto und fahren über die Insel. Die Westseite besticht mit ihren Kirchen und Klöstern oben in den trockenen Bergen. Den großen flachen Mittelteil durchziehen wilde Sandsteinschluchten und im Gebirge hält sich Tannenwald. Das Örtchen Zia inmitten dieser alpenähnlichen Felslandschaft mutierte zum Touristenort. Die Tavernen werben mit dem Sonnenuntergang. „Enjoy the sunset“ Der Blick ist allerdings auch atemberaubend! Auch hier warten Straßen voller Figuren, Olivenölprodukte, Schals, Schmuck und anderem Tand auf Käufer. Wer kauft nur das alles? Morgen verlässt uns Erika. Wir genießen den letzten Abend in einer baumbestandenen Taverne bei feinem Essen im Kerzenschein und mit gutem Inselwein. Morgen werden Gerdi und ich wieder alleine auf der EOS wohnen. Am Samstag fahren wir Erika noch zum Flughafen und dann bleiben wir- anfangs doch traurig- zu zweit zurück. Neue Küsten rufen.
Und hier die Bilder:
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624522235584/show/
G E R D I : Rückblick von Marmara bis Cesme
Montag, den 28.Juni 2010

So kocht man auf der EOS

Lamm-Fleischbällchen und Gemüse. Abschiedsessen in Marmara
13 Stunden auf See! 65 Seemeilen.
Um 5 startet Gerhard, starker Schiffsverkehr, Frachter, nur 3 Segler am ganzen Tag!

Begegnung mit der Großschifffahrt
Wunderschönes Segeln mit raumem Wind. Die Landschaft zieht gemächllich vorbei, gelbe Getreidefelder, dunkelgrüner Wald, sanfte grüne Wiesen, leuchtend grüne Weinhänge, silbern schimmernde Olivenhaine.
Die Strömung schiebt uns geradezu vorwärts … Sonnenschein, weiße gewaltig hoch aufragende Wolkentürme, Kreuzfahrer-Riesen, schneeweiße Monster. Gegen 19 Uhr erreichen wir zum 2.Mal die große Stadt Canakkale, neben uns russisch sprechende Ukrainer, Wodkaflaschen in der Hand, Zigaretten: “Can you give me 50 Lira, Mister? The Western Union Bank opens tomorrow at 9. I bring it back, sure!!”
An der Promenade entdecke ich erst dieses Mal das Riesen-Pferd aus Holzplanken, ein Original-Requisit aus dem TROJA-Film mit Brad Pitt, 2005.
Ich brate die asiatisch marinierte Hühnerbrust im Wok, dazu Basmatireis in Sesamöl mit Kokosflocken. Beim Nachtbummel finden sich viele Gäste in den Ufer-Lokalen, meist nur vor einem kleinen Glas Chai, dem türkischen Schwarz-Tee mit Würfelzucker. 1/3 der Frauen trägt Kopftuch, aber diese bodenlangen Kutten und Mäntel wie in Deutschland sieht man kaum.
Mittwoch, 30.Juni: VON TÜRKISCHEN KÜSTEN ZUR GRIECHISCHEN INSEL LESBOS
Die Ukrainer bringen 50 € + Flasche Wein zurück. Start wieder früh morgens, um 6,30 Uhr. Gleich hinter Canakkale surft die EOS fast mit zeitweise 8 sm/h (x 1,85 km!) auf der nordwestlichen Fahrstraßenhälfte. Um 9 Uhr verlassen wir die Dardanellen!
Ein traumhaft schöner Bilderbuch-Segeltag, meist mit raumem Wind, das Großsegel mit einer Bullentaille ausgebaumt. Adieu Marmara und Dardanellen, schön war’s. Ein Erlebnis besonderer Art.
Bald steigt aus dem Dunst die Insel LESVOS auf. Wir setzen die blauweiß-gestreifte griechische Gastflagge in der Steuerbord-Saling! Ca. 750 Seemeilen haben wir hinter uns. Bis der Anker fällt auf Lesbos, werden es wieder fast 60 Tages-Meilen sein!

2 Kontinente
2 Küsten passen nun aufs Erinnerungsfoto: Links die türkische, rechts das Kap Moulivos der 1. griechischen Insel. Beide brüsten sich mit stattlichen, wehrhaften Kastellen, ja richtigen großen Forts, quadratisch angelegte hohe Burgmauern, mit Zinnen bewehrte Türme. 2 Kontinente begegnen sich hier, nur das Meer trennt sie, die doch noch so verschiedenen Volksgruppen, Traditionen, Glaubenslehren. Hier die Minarette mit dem Halbmond, und an Steuerbord grüßen nun wieder die schneeweißen Kirchlein mit dem lieblichen hellblauen Kuppeldach und Apsis, oben das Kreuz, daneben oft freistehend der kleine Glocken-“Turm“.

Die Burg über Mithymna
Um17 Uhr fällt unser Heckanker im kleinen Hafen vor dem malerischen Mithymna, einer Hügelstadt mit Fort. Selten haben wir etwas so Harmonisches gesehen. Wir wandern hoch zur Burg, viele Treppen, sauber gefegt, alle Häuser mit burgunderwein-roten Fenstern und Türen!!
Umwerfend der Duft von Jasmin, süßem Oleander, blau leuchten Clematis-Blüten, dichte Weinlaubranken spenden den Pergolen Schatten und köstliche Kühle. Gemauerte kleine Brunnen in den Gassen, spielende Kinder, Fröhlichkeit.

Die Touristengasse
Zinnien lassen ihre langen blau-violetten Blütendolden herabhängen, eine kleine Bazargasse, eng, dicht bestückt von Goldschmieden, Juwelieren, Läden mit Olivenöl-Produkten, Honig, Sesam…
Im sehr gut restaurierten Burghof eine Bühne und Stühle für Theaterbesucher. Vor den Tavernen am Hafen liebevoll und mit säuberlichster Schrift geschriebene Speisekarten auf Tafeln…Wir machen uns eine große Schüssel griechischen Salat mit Feta und schwarzen Oliven, dazu Retzina. Wir genießen dieses pittoreske Idyll.
Sternklar die Nacht, fast noch Vollmond. Das Dorf den Hügel hoch illuminiert, prachtvoll gekrönt von der mit gelben Scheinwerfern angestrahlten Burganlage.
Donnerstag, 1.Juli: 45 Seemeilen, 10 Stunden Fahrt, an Lesbos’ Ostküste entlang
Der Morgen im romantischen Städtchen Mithymna ist kühl, Nebelschwaden um 7 Uhr. Wir gehen hoch zu dem kleinen Supermarkt, die Dame klagt über ausbleibende Gäste, die Krise. Sonst seien schon viel mehr hier im Juli. Die MwSt. ist bei 8%, das ist für griech.Verhältnisse horrend hoch. Wir laufen runter zum Hafen, über mit Natursteinen gepflasterte Gassen. Erwachen. Erste Türen gehen auf: Kalimera, Kalimera! So freundlich alle die uns grüßen.
10 Stunden geht es mit wunderbarem seitlichen Wind, von 10 bis 14 Uhr. Blaues Meer. Nicht zu heiß. Zauberhaft die Ankerbucht kurz vor 20 Uhr: Mersinia. 2 schmucke weiße Häuschen, Weinlaubterrasse, Blumen im Garten, Feigen vorm Eingang…Ein strahlend weiß gekalktes Kirchlein am Felshang. Frieden. In Deutschland ist Hitze: 36° und Schnakenplage. Bei uns hier: Paradiesisch schön. Baden im Meer.

Abendstimmung in der Bucht
Am Morgen wandert Gerhard durch struppige Macchia den Hügel hoch. Ich warte mit dem Schwimmen bis die Sonne um 8 über den Bergrücken steigt. 24° hat das kristallklare Wasser. Ich flöte nun wieder christliche Morgenlieder! Großer Gott wir loben dich. Morgenglanz der Ewigkeit. Geh aus mein Herz und suche Freud. Lobet den Herren. Die güldene Sonne voll Freude und Wonne.
Wir paddeln ans Ufer, gehen zur Kapelle rein und entzünden 4 Kerzen für Kinder und Vati-Opa. Ich spiele auf der Mundharmonika „Nun danket alle GOTT!“.
Aufbruch um 10. Wechselnde Winde, 3,4,5. Um 17 Uhr Gischtkämme, kabbelige meterhohe Wellen, ich steuere von Hand. Flotte Fahrt 5-7 kn!

Flotte Fahrt vor dem Wind
Um 19 Uhr tasten wir uns bei kräftigem fast wütendem Wind zwischen felsigen Inselkaps hinein in die Nordöst-Bucht der zerklüfteten Insel Panagia, teils nur 2-4 m Wassertiefe. Große Lachmöwen kreischen auf, Brutnester, kotweiße Felsen. Heftige Fallböen. Launisch der Anker oder der Ankergrund. Gerhard paddelt mit 80 Metern Leine an Land und legt eine Kette um den Fels, der uns zusätzlichen Halt geben soll in diesem stürmischen Eck. Der Wind tobt weiter, die EOS schwankt hin und her, ist das nun schon der MELTEMI vom Vorjahr? Ich koche im Wok das restliche Gemüse unsrer türkischen Bauernfamilie von Pasalimani. Scharf! Peperoni!

Die Gemüsebauern von Pasalimani
Gegen Mitternacht wird der Wind allmählich müde und raunt nur noch in den Böen. Wir schlafen wunderbar und am Morgen ist es leichtwindig, blaue See. Am anderen Tag fahren wir nur 3,5 sm bis nach Inoussa auf der Nachbarinsel. Hier: Fußball kieken Ger. gegen Arg. 4:0. Besonderheit: Fernseher in der Bar ohne Ton, 5m nebenan Liveband pustet mit voller Verstärker-Lautstärke griechische Musik in den Ort. Abendessen: Bohnen von der Insel als Gemüse. Sehr gut.
Sonntag, 04. Juli, nach Çeşme 19 sm, Meltimi Bft 5 von achtern, nur unter kleiner Fok.
In September letzten Jahres waren wir hier. Damals: Ein schöner Hafen, 2 Container, einer Büro, der andere Sanitär. Sonst leere Fläche. Und jetzt: Eine komplette Hafenstadt. Bürogebäude, Sanitärtrakt wie im besten Hotel, Restaurants und Bars aller Art, Shops für jeden Bedarf, Supermarkt, alles vom wirklich feinsten. Die Gebäude passen in ihrer Verschiedenheit zusammen. Der Prospekt asgt: „Aegeans finest Yacht Destination“. Für meinen persönlichen Geschmack übertrieben. Wir liegen in guter Gesellschaft mit Megayachten. 25€ für unser Schiffchen. Als Ausgleich ankern wir dann wieder in kostenlosen Buchten.
Abends der nächste Höhepunkt: Essen, sorry, speisen in einer ehemaligen Karawanserei. Letztes Jahr noch Baustelle, jetzt Hotel mit Restaurant im Innenhof. 3-stöckig, bogenförmige Laubengänge zu den Zimmern, Tische auf glasgedecktem farbig ausgeleuchtetem Wasserbeckem, Dachgarten. Sanfte, passende Musik. Türkisches Menü, bestens, sehr reichlich, serviert immer von 2 Obern. Eröffnet vor 2 Wochen. Schön, gelegentlich so verwöhnt zu werden.
Was die Türken hier in einem halben Jahr erreicht haben, unglaublich, Respekt!
Hier die Bilder. Einfach auf die folgende Zeile klicken
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624425297052/show/
Insel SAMOTHRAKI. Gerdi
Wir haben es hier ganz gemütlich, wenn auch oft stürmisch. Der 1611 mhohe Berg wälzt die Windmassen und lenkt sie ab oder wirft sie aufs Meer hinaus. Mit 5-7 bft. ist das Meer weiß begischtet und schäumend. Draußen ein Dorf, viele Bäume und Blumen, viele Menschen, sehr junge Mamis beim Ausfahren ihrer Kinderwagen. Sie treffen sich an der großen Fähre, um Ankommende zu begrüßen und small talk mit den (ledigen) Jungs zu pflegen.Das Dorf gefällt uns: lebendig, kleine Tavernen (mit Hendl, Schweinshaxe oder Ziege am Spieß). Es gibt nette Bars, besonders die mit dem Internet, ganz Italian style, orange und weiß die leichten Nylonstoff-Stühle, klare Linien, filigrane kleine Tische dazu, alles auf Holzpanneelen, mit Spots vertikal von unten sanft bestrahlt. Mittelpunkt ist ein Riesenbaum: Ein Gigant von Platane, der Stamm 3-armig hochgewachsen, unten 3 m Durchmesser, die “Arme” je 50-70 cm!
Die Mädels, die bedienen, sind alle schick gestylt, Make-up, Frisur, modischer Schmuck, gewagte Décolletées an knappen Shirts mit vielen Pailletten,die Jungs in knackigen Flower-Bermudas in türkis, flieder und pink, dazu freche Muskelshirts. Am Abend kamen Helfer und stellten im Nu ca. 200 weiße Stapelsessel auf den großen Platz, wo schon die Bühne stand. Mikrofone, eine große bauchige Laute und eine Bouzuki, ein Geiger, ein Keyboard spielender Sänger. Gegenseitig flochten sich die Mädchen die langen Haare zu dicken Zöpfen im Nacken, steckten die kleinen runden Käppis mit Band aufs Haar über der Stirn, ein Amulett an den Ausschnitt. Gekonnt zupfte man die reich bestickten Folklore-Schürzen zurecht. Die Männer der Tanzgruppen tanzten in Hemden mit weiten weißen Blousonärmeln, mit schmalen schwarzen Westen, dazu ganz weite Pluderhosen, knielang, drunter weiße Strümpfe über schwarzen spitzen Halbschuhen, vorne die Spitzen hochgebogen.Die vielen Tanzgruppen führten sehr unterschiedliche Volkstänze vor (zu Live-Musik mit schon ziemlich türkisch-orientalisch anmutenden klagenden Geigentönen und Gesang. Ab 23 Uhr reihten sich immer mehr Zuschauer in die tanzende Menschenkette ein, jedes Alter, von 4 bis 90, Männer und Frauen, kleine Mädchen und Buben, gut verteilt. Es war unglaublich, die tanzten mindestens 30 Minuten ohne Pause, alle beherrschten die nicht einfache Schrittkombination mit Vor-Rück-Seit-Schritten, Wiegeschritt und schnellen Laufschritten. Echte Begeisterung zeigten da auch die disco-mäßig gekleideten Mädels, die Pailletten glitzerten und die goldnen Sandaletten der ganz Kleinen wirbelten tempo-richtig zwischen den großen Füßen, es gibt da ja kein Halten bei so einem in Schlangenreihen getanzten Kreis- oder Reihentanz. Keinerlei Ermüdung, die tanzten gemeinsam in heller Freude - und als der Geiger seinen Bogen senkte,waren die Tänzer richtig enttäuscht, aber nicht erschöpft! Die große bunte Menge aus Volk undFolklore-Trachten-Tänzern löste sich auf – aber die fröhliche Feierstimmung ging so weiter bis um 4 Uhr früh.
EINHEIMISCHE LOKALE KÜCHE:
AUF SAMOTHRAKI/ GRIECHENLAND
… entdeckten wir eine Taverna, in der große leckere Hühner am Spieß gebraten wurden. Bei uns wäre so was Feines ein „Bio“-Huhn. Unvergleichlich gut, nicht fett. Neu für uns war, dass die Köchin es mit Senf einreibt, und Rosmarin mag sie gar nicht. Man kann es auch nirgendwo kaufen! Nur den typischen „Rigano“, den wilden Majoran, Origano.
Vor dem Tanzfest drehte sich eine junge Ziege über den Holzkohlen. Das war genau das Richtige für den Bergwanderer: Ziege! Goldbraun und rösch die Haut, zart das Fleisch. Dazu gab es Weißkrautsalat, auch mit Senf und Kreuzkümmel.
IN CANAKKALE / TÜRKEI am Anfang der Dardanellen

Typisch türkische vegetarische Speisen
… blieb mein Blick beim Abendbummel im Regen an einem winzigen Lokal hängen: 2 Frauen mit blütenweißen Kopftüchern an der Kochstelle, Mehl am Tisch, Schüsseln voller kleiner Tortellinis vor sich: Die beiden formten mit flinken Fingerspitzen aus hauchdünnem Teigfladen eine Art Tortellini, 1 cm winzig. Zu dem warmen einfachen Tellergericht reicht man Ayran, die türkische Buttermilch, gemischt mit einem Schuß rot färbendem Tomatensaft und Schwarzkümmel.
Ich konnte auch zusehen, wie geschickt sie Teig hauchdünn ausrollten: mit einer Stange ca. 1,5 cm dick und 40 cm lang, wellten sie auf Mehl den Teig mit lockerer Bewegung und fast ohne Druck, dann Mehl drüber und – schwups – rollten sie diese Teigplatte um das Wellholz, rollten alles wieder auf ,legten und die Stange 90° gedreht auf den Teig, alles ca. 20 mal. Gebacken wurde auf einer von 2 Gasflämmchen erhitzten runden Blechscheibe.

Ravioli in Buttermilch
Man stellte uns mangels Sprachkenntnissen voller Freude und Gastfreundschaft alle möglichen Speisen auf geblümten Tellern auf den Tisch: zarte Blättchen in Joghurt (wie Radieschensprossen), reisgefüllte Weinblätter (Dolmes), gebratene Paprika- und Auberginenscheiben, gefüllte rote Paprika, gegrillte Tomaten. Als Nachspeise „typisch türkisch“ gab es Reisbrei mit Zimtzucker. Ein kulinarisches Erlebnis für uns zwei Segler, die gerade auf Kleinasien, einem neuen Kontinent angelandet sind. Ein wenig kauderwelschten wir noch mit dem Opa, der 18 Jahre lang in Ulm bei Magirus in der Fertigung arbeitete.
IM „ALEMTA“ -am andern Ufer von Canakkale

Gegenüber Canakkale
Mit der Fähre fuhren wir rüber und bestiegen die martialische Bastion, 10 Meter hohe Festungsmauern, kreisrund, gewaltig. In einem ganz schlichten Fischlokal kehren wir ein. ALEMTA (das heißt Fahne oder auch Spitze der Moscheekuppel). Von der vierseitigen Speisekarte verstehen wir kein Wort, außer „Sardinen“, die dann auch köstlich frisch in der Pfanne gebraten mit grobgeschnittenen Zwiebeln und Schwarzkümmel gebracht werden. Gerhard wählte etwas, das im Langenscheidt „Brei“ übersetzt wurde. Es entpuppte sich als jene chilischarfe Rohkost, die wir 2009 nach dem Moscheebesuch in Kusadasi kosteten: Feingeschnittene Zwiebeln, Petersilie, Chilischoten, rote Paprika – sehr scharf! Dazu gab es noch diese winzigen 5 mm dünnen Rindfleischhack-Teilchen vom Grill, das berühmte „Köfte“, also gut bekannt von Mc Donald’s Rindfleisch-Burgern, nur viel kleinere Portionen. An Fastfood-Kneipen gibt’s diese flachgedrückten Dinger auf Holzspieße gesteckt, vom Gasgrill in die Hand.
TROJA – EIN AUSFLUG IN SAGENUMWOBENE VERGANGENHEIT
Mit dem kleinen Truva-Bus rasen wir über dem “Weltkulturerbe“ nicht ganz gemäße schlechte Straßen 35 km ins Hinterland. Eine fruchtbare, baumreiche Agrar-Landschaft mit Äckern, gelben Stoppelfeldern, Strohballenmauern, Tomatenfeldern, Zucchini, Olivenhainen, Weinhängen, Rosengärten, Gladiolen, leuchtend rosé-farbenen Malven (2-3 m hoch vor jedem Haus), ausladenden Feigenbäumen, Steineichen!!

Modell von Troja

Das Pferd schuf ein türkischer Künstler
Gleich nach dem Entrée ein hölzernes Pferd, das Symbol für die Kriegslist der Hellenen.
Ein Modell der Ausgrabungen, Triumph der Archäologen. Über die Geschichte in Zahlen und Abläufen möchte ich hier nichts (Falsches) schreiben, das kann jeder bei Homer, im Lexikon oder bei Wikipedia nachlesen.

Informative Schautafeln, gesponsort von Daimler Benz
Dank der Sponsoren-Gelder von Mercedes-Benz und Siemens konnte man vor Ort Ausgrabungen sichern, bedachen, einen wunderbaren Weg anlegen mit großen Stelen, auf deren Text-Tafeln eindrücklich und in vollendeter deutscher Sprache (neben türkisch und englisch) alles erklärt wird. Vom Stadion hat man einen Blick über die Felder und Wiesen bis zur hoch aus dem Meer ragnenden Insel Samothraki, dessen Kult mit Troja eng verflochten ist. Ein süßer Duft der Feigenbäume liegt in der Luft, Stille, Schmetterlinge, eine vor Tausenden von Jahren schon gefasste Quelle, Frösche quaken, Bienen summen und holen Nektar ein.
Diesen Ausflug möchten wir jedem empfehlen. Ein unvergessliches Erlebnis.

Antikes Amphitheater

MIT 7 –8 KNOTEN RAUSCHT DIE „EOS“ DURCH DIE DARDANELLEN
Samothraki, Sonntag 21. Juni 2010 – GERDI
Für Dienstag werden von Meteo Poseidon 6, in Böen 7 Windstärken vorausgesagt. Also nix wie weg und rüber in die Türkei.
Um 5.30 Uhr Kettenrasseln am Kai, Gerhard löst die 5 Festmacher und gibt der Eos ihre Freiheit wieder.

Wir verlassen Samothraki
Wir haben Wellen und Wind gegenan und motoren aufs Meer hinaus. Südwind, er soll auf West drehen. Um 9.30 können wir segeln, das Groß gerefft , 3-4 Bft, Wind zunehmend. Wir reffen auch die Fock , denn die EOS schiebt kräftig Lage, pflügt mit dem Bug durch die Wellen, das Meerwasser rauscht 10 m am Süll entlang und bildet im Heck Seen. Unser kräftiges Schiff schafft das aber gut, es erfreut das Seglerherz, wie sie den aufbrisenden Wind und die Wellen meistert. Ich steuere als „1.Offizier“ von Hand und der Käptn lobt seine Segelfrau, die zuverlässig Stunde um Stunde Kurs hält auch in starkem Wind und sich auftürmenden Wellen. Heute mal in vollem Ölzeug. Die Wellen spülen über den Bug bis zur Sprayhood.
Kabbelige See. Unruhig das Schiff, stark gekrängt, viel Schräglage also: Blickt man als Steuerfrau vom Cockpit hinunter in den Salon, sieht es aus, als hätte man das Schiff gekippt auf die Seite gelegt. Das Meer lärmt, in den Wanten pfeift der Wind, mittags gibt es „nur“ Käsebrote. Flotte Fahrt, immer 6-7 kn, Eos’ Rumpfgeschwindigkeit. Ich steuere mit Kraft die Pinne, der elektronische Autopilot schafft es nicht mehr gegen die Wellen.

5 Bft

Kap Mehmetcik, der Eingang zu den Dardanellen
Gegen 14 Uhr haben wir Kap Mehmetcik, den Eingang in die Dardanellen querab, ein eleganter Leuchtturm, ein britisches und ein türkisches Kriegerdenkmal. Wir verkleinern die Fock erneut, heftig wird das Schiff von den nun von achtern anrollenden hohen Wellen gejagt. 8, sogar 8,4 kn Fahrt, dabei surft der Rumpf. Von hinten kommt uns ein Großsegler immer näher, Typ „Gorch Fock“, 4 mächtige Masten, zig sauber aufgetuchte Segel auf den waagrechten Rahen. Ein Bild aus früheren Zeiten.
Spürbar die Strömung, der Wind achtern und immer günstig zum Durchsegeln. Ein Abenteuer! Wir schieben uns wachsam zwischen den großen Frachtern und Tankern der Großschifffahrt durch. Wegen des starken Schiffsverkehrs und des engen Fahrwassers müssen sie in den Dardanellen einen Lotsen an Bord nehmen.

Ein Stückgutfrachter
Das Meer leuchtet mit einem unbeschreiblichen kräftigen Smaragd-Grün.
Steigt im Heck die Welle höher als das Deck steigt, kann man fast „durch-sehen“ durch das Grün des Wassers, wie grünes Glas – und husch, stürzt die 2m-Welle mit unsrem Schiff hinab ins Wellental, Die Wellen immer höher, geschätzte 6 Windstärken, nach Kursänderung aber nun mit Bremskraft der starken Gegenströmung, denn die EOS läuft inzwischen bei geborgenem Groß und doppelt gereffter Fock zeitweise nur noch 1,5 kn.
Wir steuern Canakkale an. Das wird übrigens am Anfang mit „tsch“ gesprochen (Canak heißt Topf, Schüssel). Die große Stadt breitet sich vor uns aus wie ein buntes Häusermeer - vom Strand den Hang hinauf, Die Wohnblocks in leuchtenden Pastellfarben: viel rosa, hellgrün, himmelblau, orange, violett. Fährbetrieb zur anderen Küste. Wir tasten uns bei viel Wind heran, bergen die Fock auf Höhe des Leuchtturms, steuern vorsichtig in den engen Hafen.
Dankbar sind wir! Heil angekommen.

Regenwolken über Canakkale
Marina Canakkale. Man weist uns einen 11m-Platz längsseits am Kai an. Leinen über, 2 Springs gegen den angekündigten Starkwind, schwere Regenwolken über uns. Am Kai hinter dem Abtrenngitter viele Spaziergänger, meist europäisch sommerlich gekleidet, aber auch Kopftücher und diese langen weiten Orient-Hosen mit dem „Schritt“ auf Wadenhöhe…Heute muss ein Festtag sein, vielleicht ein Studienabschluß oder Abiturzeugnis-Tag. Junge Männer mit speziellen schönen Umhängen und seidenen Schals um den Hals, oft uns unbekannte Kopfbedeckungen. Fotoshooting und Treffs am Molenkopf mit Lunch-Paketen. Keinerlei Alkohol, keine Bierdosen, kein Raki, nur Wasserflaschen. Originell das türkische Wort für Mineralwasser: „Maden su“!
Ich koche mit Tomaten, roten Spitzpaprika, Zwiebeln, Gurke, Knoblauch und viel Chili eine gute Soße zu Pasta Tagliatelle.
Draußen Pärchen Hand in Hand, auf den Bänken aber keinerlei Zärtlichkeiten. Fröhliche leise Unterhaltungen.
Hätte es nicht um 22 Uhr mächtig geregnet, wäre der Abend wohl länger gegangen mit feiern. Wiederholt höre ich den Eurovisions-Sieger-Song von der deutschen LENA - und alle singen mit.
Dienstag 22. Juni bis Samstag, 27.Juni: GERHARD

Vorbereitung zum Einklarieren
Einklarieren, in der Türkei, etwas umständlich aber interessant. Zum Hafenkapitän, der kassiert umgerechnet ca. 45 Euro, dann zur Gesundheitspolizei, jetzt mit dem Bus zur Hafenpolizei, 7 km außerhalb im neuen Fährhafen. Es war ein Erlebnis, ohne Türkisch-Kenntnisse den richtigen Bus zu erkennen und am rechten Ort auszusteigen! Und dann: Ich habe meinen Personalausweis noch in der Joggingtasche statt im Geldbeutel! Wieder zurück, Ausweis holen, mit dem Taxi nochmals zur Hafenpolizei, wieder zurück, noch mal zum Hafenkapitän und zum Zoll. F-E-R-T-I-G.
So lernt man Stadt , Menschen und den Busverkehr kennen. Alle, Beamte in den Amtsstuben, Leute im Bus sind außerordentlich freundlich und hilfsbereit, immer wird jemand geholt, der Englisch spricht, wartet man länger, wird Tee angeboten. Dann bekommen wir in bestem Englisch Tips für Häfen an der türkischen Küste: Vom Nachbarskipper, einem Armenier mit Großeltern aus Istanbul, fahrend unter französischer Flagge, Gäste aus Italien, in USA als Geschäftsmann gewesen, jahrzehntelang in Venedig gelebt.

Alter Friedhof neben der Moschee
3 Tage streifen wir durch diese lebendige Stadt fast ohne Touristen und gewöhnen uns an die türkische Lebensweise. Wir besuchen Troja mit der Dolmusch, einem preiswerten Kleinbus, streifen durch die engen Gassen und fahren mit der Fähre ans gegenüberliegende europäische Ufer nach Kilibahir mit seiner außergewöhnlichen runden Festung. So bewegen wir uns in den Dardanellen an der Grenze zwischen Europa und Kleinasien. Das Wetter hat abgekühlt auf 19° und es regnet und gewittert zwischendurch kräftig.
Am Donnerstag entschließen wir uns weiterzufahren. Der griechische Wetterbericht meldet Nord 4, in Böen 5. Wir halten uns im östlichen Drittel ca. 10 km von der Küste, um der starken Gegenströmung und dem regen Verkehr der großen Frachter auszuweichen.
Im Strömungsbereich vermindert sich die Geschwindigkeit auf 3 Knoten, geraten wir aber in einen Neerstrom eilen wir mit 7 kn dahin. Segeln ist bei diesem Gegenstrom und Gegenwind nicht möglich. LAPSEKI hat einen Hafen, der eine Marina werden sollte. Die Arbeiten sind aber seit Jahren eingestellt und so versandet dieser geräumige Hafen. Wir finden aber mittendrin einen Ankerplatz.

Lapseki, ein geräumiger Hafen, aber leider versandet

Eintrag ins Logbuch, täglich nach Reiseende
Dieser Reiseabschnitt erinnert sehr an die Ostsee: Auf beiden Seiten bewaldete Hügel und große fruchtbare Felder bis zum Meer. Das kühle Wetter und der bedeckte Himmel verstärken diesen Eindruck. Gerdi fühlt sich an die Abiturfahrt mit dem Schiff von Linz nach Wien auf der Donau erinnert. Im Marmarameer verlässt uns der Wind, der Motor schiebt uns die Südküste entlang, vorbei an einer mächtigen Industrieanlage von der wir nicht wissen, was dort hergestellt wird. Dann wird das Land felsiger. Voraus erscheinen die Inseln Marmara und Avsa.

Kap Karaburun, fast wie Kap Arkona auf Rügen
Wir fahren noch etwas weiter, steuern durch das betonnte Fahrwasser die geräumige Bucht vor der Insel Pasalimani an. Anker fällt, Motor aus und uns umfängt himmlische Ruhe. Die Insel hat nur eine Straße und die kleine Inselfähre ist mit 2 Pkws voll beladen. Nur die Stimmen der Menschen und das Gackern der Hühner dringt zu uns. Wir genießen diesen Frieden und bleiben an Bord.
26.Juni: GERDI
PASALIMANI
Wir bergen die Segel vor der Kulisse der sanften grünen Hügel und dem kleinen Dorf, gleiten geräuschlos auf die 3 kleinen Kaik-Fischerboote zu, steuern den stämmigen kleinen Turm des Minaretts neben der niedrigen Moschee an. Im Garten der Taverne sitzen Männer beim Tee unter ausladenden Baumkronen.
Wir waren mit unsrer EOS heute 10 lange Stunden unterwegs, als Motorfahrt in der Strömung. Lob unserem VOLVO-Motor, ein 100% funktionierender technischer Helfer. Und nun: Motor aus!
Absolute Stille, kein Wellenschlag. R U H E !!! Der Augenblick hat etwas Magische. Es lässt sich wahrhaftig schwer mit Worten beschreiben. Diese Geräuschlosigkeit nach einem langen Tag unter Motorengebrumm.
Die überwältigende Stille, wie die Erfüllung eines Traums, die ewige Sehnsucht nach Frieden! Wir schweigen. Beide. Lauschen in dieses Er-leben hinein.Vermissen nichts. Trinken die feierliche Einmaligkeit dieser Minute. Glück.
Eigentlich wollte Gerhard gleich das Schlauchboot aufpumpen, an Land, Brot holen, Wasser am Brunnen, der dort am Ufer sprudelt. Ich halte ihn zurück. „Bleib! Mach gar nichts. Schau einfach!“ Ich will überhaupt nicht an Land. An diesem wunder-baren Abend nicht. Morgen erst. Wir sehen voller Zufriedenheit in die rötlich angestrahlten Wolken, genießen die Farben des Lichtbandes auf dem Meer, als die Sonne in die Wolkenwand sinkt, ganz langsam.
Dann bereite ich im Wok das geschnetzelte Rindfleich zu, mariniert in Ingwer, Knoblauch, Tiriakisoße, Wein, Zucker, Sojasauce. In 3 Minuten ist es fertig. Dazu heißer duftender Basmati-Reis. Wir essen bedächtig wie die Asiaten mit Stäbchen. Und in dieser kühlen Nacht schlafen wir himmlisch.

Ein vorzügliches Essen: Rind, Bohnen, Basmatireis
Am Morgen paddeln wir an Land, fragen nach „ekmek“= Brot. Der Ofen des Bäckers ist bereits gefegt und kühl, das Weißbrot noch warm. „iki! Zwei!“Dann versuchen wir zu erfahren, wo wir Melone, Tomaten, Gurken, Bohnen, Zucchini kaufen können. Sofort führt uns ein Mann hilfsbereit zum Nachbarhaus, die Frauen verstehen sofort: Aha, die wollen Gemüse kaufen. Wir folgen 200 m zu einem eingefallenen niedrigen Natursteinhaus, ein kleiner Hund springt uns entgegen, die Gemüsebauern zeigen uns voller Stolz all ihr frisch geerntetes Gemüse: Köstlich! Hier mangelt es nicht an Gießwasser, auch die Geranien blühen in koralleroter Pracht, gleich steckt mir der Mann die größte Blüte ins Haar, die Frau drückt mir einen schweren Erdetopf mit duftendem Basilikum in den Arm, ein älterer fröhlich lachender Bauer häuft kleine knackige grüne Peperoni in die andere Hand und dann bekomme ich einen Büschel frischer Pfefferminze unter die Nase gehalten.

Das Geschenk der Bauern: Ein Basilikumtopf
“Nimm. Geschenk!“ Gurken (”Nein, nein, nicht 5! 1 Kilo!“) eine Tüte reife rote Tomaten, eine voller hellgrüner Paprika, Bohnen. Alle lachen glücklich, stellen sich auf zum Foto! Wange an Wange, umarmt, als wären wir verwandt! Ein herzlicher Abschied, ich singe noch ein Lied und als ich mit dem Rucksack wie ein Esel rufe, ist man begeistert.

Die Gärtnerei in Pasalimani
Beim Weiterlaufen findet sich erneut ein Mann (er arbeitete bei den Düsenjägern als Ingenieur), der uns bereitwillig ins Dorf führt zum kleinen Supermarkt. Wein, Bier, Käse, Wurst, (und Oliven und Honig geschenkt), Erdnüsse. Herrlich. Alles kommt per Paddelboot an Bord, und nach einem Vesper segeln wir noch 2 Stunden rüber zum nächsten Dorf, Ilhanköy, kleiner Hafen. Man sieht niemanden. Alle gucken TV: Fußballweltmeisterschaft!!!
Hier die Bilder:
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624242499665/show/

17. Mai 2010, Insel Samotraki
Zufall?
Längseits am Kai in Thassos Stadt: Hinter uns liegt die UBENA aus Regensburg. Dieses kleine Schiff kommt mir irgendwie bekannt vor. Anderntags treffen die Besitzer aus Deutschland ein (Die UBENA hat hier überwintert). Im Gespräch ergibt sich, dass ich bei Würzburg auf diesem Schiff gesessen bin. Ich hatte einen Lehrgang dort gehalten und die UBENA kam über die französischen Kanäle und Flüsse vom Mittelmeer zurück nach Regensburg. Dem früheren Besitzer habe ich bei dieser Gelegenheit die Flusskarten für Frankreichs Wasserstraßen abgekauft. Das ist aber noch nicht genug: Dasselbe Schiff segelte früher auf dem Bodensee in Friedrichshafens BSB-Hafen, wo auch mein Eichenholzschiff „Louisa“, Baujahr 1929, lag. Und ich hatte damals ein Auge darauf geworfen: Ich wollte es kaufen. Daraus wurde nichts, andere Interessenten haben es vom Bodensee weggekauft. Zufall, oder? Nun segelt ein Regensburger, der durch die Donau schipperte, die UBENA nach Marseille und durch die Rhône zurück.
Unsere Bergtour auf der Insel Thassos
Der erste Ausflug führte uns zum Amphi-Theater, mit Nachtigallengesang.

Sonnenaufgang vor der Busabfahrt um 6 Uhr

Thassos - entdecken Sie die smaragdgrüne Insel
Thassos ist eine “grüne Insel“ mit viel Wald und schönen Wegen in der Natur. Gerdi und ich lassen uns um 6 Uhr früh mit dem Bus nach Agios Georgios fahren. Das ist eines dieser malerisch gelegenen Bergdörfer, die abseits der Küste erbaut wurden, um sich vor Piratenüberfällen zu schützen. Noch umfängt uns die Kühle des jungen Morgens. Wir suchen den Weg, finden ihn nicht und erst eine freundliche Bewohnerin zeigt uns den Startpunkt und die Abzweigung „nach der 2. Marmorfabrik“. Nun ist alles klar. Die Fabriken sind nicht zu übersehen, sie zersägen den hier abgebauten rein weißen Marmor zu Blöcken und Scheiben. Umgeben von dichten Laubbäumen, Platanen meist, hallt der Wald hier vom vielkehligen Gesang der Nachtigallen! Ein Zauber…
Es geht 2 Stunden leicht aufwärts und nach der Pause am höchsten Punkt sollte es wieder abwärts nach Thassos / Stadt gehen.

Pinien oft mit vom Waldbrand verkohlten Rinden
Der Blick schweift weit über die Bergdörfer und in die hohen Berge, und auf der Nordseite gegenüber über liegt im milchigen Dunst das Meer und die Thrakische Küste.

Das Bergdorf Rachoni
Der weitere Weg wird immer mühsamer. Die Sonne brennt. Eine Kurve folgt der anderen, was in der Landkarte als gerader „Karrenweg“ eingezeichnet ist, entpuppt sich als Sträßchen, das jedem Taleinschnitt folgt. Immer wieder Ziegen, die zu einer der Quellen kommen. Am Wegrand stehen Imkerkästen für die berühmten Bienenvölker mit dem Thassos-Honig.

Ein liebevoll gestalteter Brunnen
Die Gegend ist sehr vielfältig, riesige Platanen breiten ihre Kuppeln über uns, Pinien oft mit vom Waldbrand verkohlten Rinden, aber oben grün austreibend, blühende Büsche und viele bunte Blumen, aber kein Wasser (wir haben genügend mitgenommen). Langsam wird aus dieser Wanderung ein echter „Hatsch“, der kein Ende nimmt. Eine Abzweigung führt uns endlich ins Tal und von dort dürfen wir noch kilometerweit auf der belebten Straße laufen, nur unterbrochen durch eine Einkehr auf ein kühles Helles in einer kleinen Strandbar am Meer. Also: Manche Wanderungen dauern länger als geplant und werden langweiliger als gedacht und billige Karten lohnen sich nicht.
Abends belohnen wir uns mit einem Teller Souflaki bei unsrem netten Wirt der kleinen Faros-Taverne, dessen Sohn hervorragend Deutsch spricht. Spezial-Sprachenschule.
Unser Ausflug mit der Fähre nach Kavala

Unser Ausflug mit der Fähre nach Kavala
Die Insel, der Berg und das Meer
Manche der nördlichen griechischen Inseln, wie Thassos, Samothraki oder auch die Halbinsel Ägion Oros mit dem Berg Athos erreichen eine Höhe von über 1500m. Hört man den Wetterbericht, dann liest man derzeit von schwachen Winden um 2 Bft aus unterschiedlichen Richtungen. Als wir um 7 Uhr von Fanari zur Insel Samothraki starten, wundere ich mich über eine Dünung aus Südost. Schon die ganze Nacht vor Anker war eine Schaukelei.
Wie kann das sein? In der Nordägäis sind überall schwache Winde vorausgesagt. Auch auf der Überfahrt nutzen wir zeitweise den Motor.
Um 13 Uhr etwa zeichnet sich vor uns im Dunst die Insel Samothraki ab und die Dünung wird immer heftiger. Jetzt nimmt auch der Wind zu und wir binden ein Reff ein. Das Wasser wird richtig ruppig. Hohe Berge stören den Wind auf seinem Weg über das Wasser, er wird eingeengt, folgt der Inselküste und nimmt an Stärke mächtig zu. Das Wasser vor der Hafenmauer ist mit Schaumkämmen übersät und ich bin überzeugt, dass 10 Meilen von der Insel entfernt nur eine Dünung an den starken Wind hier erinnert.
GERHARD
18. 6. Samothraki
Von Gerdi:
Wir sichern das Schiff mit 5 Leinen, legen Kette vor, um ein Durchscheuern an der Kaimauer zu verhindern, bringen 7 Fender aus, setzen 2 Springs, und die EOS zerrt an ihren Fesseln. Am Abend dreht der Wind um 180°, aber er bläst angenehm kühl durch die Kajüte. Wir folgen beim Landgang im Dorf dem köstlichen Duft: am Spieß drehen sich 6 prächtige Hühner, sicher 2 kg schwer. (13 €)
Wir laden CHRIS, den 2.Segler von seiner britischen kleinen Westerly zum Essen ins Cockpit ein und er erzählt, dass er seit 15 Jahren hier segelt und im Winter Englisch unterrichtet und viel mit dem Rad fährt. Spannend. Er segelt allein, war schon im Libanon.
Am Freitag, 18. Juni fahren wir 2 mit dem Bus hoch in das idyllisch am Berg liegende Dorf Chora, kühl und vom Wind durchpustet, unglaublich viele Blumen vor den kleinen Häusern in den engen Gassen, rosa Horthensien, üppige Geranien in Pötten, rankende orangene Trompetenblumen, Kletterrosen, Dahlien, Jasmin, mal eine Quelle mit Platanen und wildem Wein, Oasen in schattiger grüner Laube, die Stufen der Steintreppen weiß gekalkt oder mit Marmor belegt, kleine Gemischtwaren-Läden, die keinen Schimmer einer Ähnlichkeit mit einem Supermarkt haben, ein buntes unüberschaubares Sammelsurium, dazwischen der Ladenbesitzer und seine kleine Rechenmaschine für den Verkaufsbon.

Schattiges Plätzchen an der Quelle
Gegen 10 Uhr treffen sich die Dorfleute, auf einen griechischen Kaffee oder einen Frappé, mit der Gebets-Perlenkette in der Hand. Die Frauen kehren die Blätter und Knospen weg vorm Haus, alles soll blitzsauber sein. Und überall Katzen in allen Farben. Das Castell, auf Felsen errichtet. Dahinter noch weit rauf bis zum Bergeskamm. Wir genießen den Ort, die Kühle, das Fehlen der touristengemäßen Ferienwohnungen, die original belassenen Häuser.
Wunderbar die Ausblicke, gelbe abgemähte Felder, teils noch die im Wind bewegten Ähren vom Weizen. Grün aufleuchtend auch Weinfelder, Olivenbaum-Gärten, mitten im Feld eine große Schule.
Das Meer auch mittags noch weiß schäumend, die Wellen preschen mit langen Schaumkronen vom Wind gejagt zur Hafenmauer. Die EOS unruhig am Kai, Gerhard legt noch einige Ketten an die Leinen. Ich geh einen Laden suchen, keine Urlauber, nur Dorfbewohner. Die Tavernen gut besetzt.
Mit Orangen, Tomaten, Basmati-Reis für unseren Rest Huhn von gestern laß ich mich vom Wind zum Schiff „blasen“.
Samstag, 19, Juni, Gerhard
Top of Samothraki
2 Tage liegen wir hier im geschützten Hafen von Kamariotissa auf Samothraki und ich vereinbare mit dem Solo-Engländer Chris vom Segelschiff hinter uns eine Bergtour auf den Fegari, den höchsten Inselberg mit 1611m Höhe.
Anderntags um 5 Uhr früh bringt uns ein Taxi nach Therme an der Nordküste zum Ausgangspunkt. Wir folgen der Karte und einer Ortstafel und finden den Einstieg nicht. Nach 2 Versuchen kehren wir um und erfahren den rechten Weg von einem Bewohner. Tatsächlich 200 m über dem Dorf beginnt plötzlich eine hervorragende Markierung mit „E6“- Täfelchen und roten Punkten und Steinmännchen. Ihr folgen wir zuerst durch Maccia, dann durch lichten Steineichenwald und später wandern wir unter mächtigen, uralten Steineichen.

Die uralte Steineiche
Vogelgezwitscher begleitet uns. Teilweise umgeben uns Wolken und ein angenehmer kühler Morgenwind umfängt uns. Trotzdem schwitze ich gewaltig und unsere Wasservorräte schrumpfen. Wir rechnen mit der Kalamithiriaquelle, in der Karte verzeichnet. Auf ca. 1000 m Höhe wendet sich der Pfad einem Tälchen zu und tatsächlich hören wir Wasser plätschern.

Eine Quelle: Köstliches, kühles Wasser!
Aus Steinen springt es hervor, kalt. Jetzt wünschen wir uns nichts anderes, als daraus zu trinken. Wie wenig man doch braucht! Kein Bier, keine Cola nur dieses reine, kühle Wasser. Wir rasten und füllen unsere Wasserflaschen auf. Und ich schaue beeindruckt, wie das Wasser aus dem Stein fließt. Der Himmel bringt es, der Fels gibt es angereichert mit Geschmack wieder zurück. Jetzt verlassen wir den Wald und laufen durch Farnwiesen, dann sind auch diese zu Ende und über große Steinblöcke kommen wir langsam höher. 1600 Höhenmeter kosten Kraft. Da ist der Grat und wir sehen nach Westen zum Hafen, wo unsere Schiffe liegen. Noch ein paar Meter und wir sind am Gipfel.

Auf dem Gipfel des Fegari, 1611m
Braungraue schroffe Grate umgeben uns, ganz, fast wie in den heimatlichen Bergen. Hier ist die Brotzeit fällig, ich mit Wurst und Brot, Cris mit Paximadi, das steinharte, getrocknete Brot, das erst mit Wasser zu essen ist.
Der Abstieg auf gleichen Pfaden zieht sich, 2 Biere unten in der Taverne schmecken wunderbar und eine Dose trinken wir auf dem Rückweg. Heute ist Wochenende und da fahren keine Busse. 12 km Rückmarsch oder Taxi oder Autostop warten auf uns. Wir entschließen uns für letzteres und schon der erste Autofahrer nimmt uns zu seinen Fischen auf der Pritsche mit. Glück gehabt.
Noch eine Anmerkung:
Cris vom Nachbarboot hat nur ein geliehenes Gummiboot als Tender. Wir haben ihm unsere MARONI geschenkt und er hat sie mit Freuden in Empfang genommen.

Die MARONI, unser selbstgebautes Klappboot hat den Eigner gewechselt: Chris aus Southampton
Hier weitere Fotos. Um die Bildinformationen zu lesen klicke auf “show info” am rechten oberen Bildrand
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624178185503/show/

Zwischen Insel Skiathos und Halbinsel Chalkidike
GERDI
Kali mera, guten Morgen daheim in Deutschland,es ist der 8. Juni, auf See geschrieben. Seit 5 Uhr früh richtet die EOS ihren Bug nach Norden, wir rauschen mit 5 Knoten durchs leicht bewegte Meer. Wie “schnell” unsre hier absolut zu den kleinsten und schmalsten Schiffen zählende 10m-Yacht dann “fährt”? Das sind 5 sm/h oder 8-10 km/h ( für Landratten: Geschwindigkeit von 1 kn=1 sm /h und 1 sm = 1,852 km)

Die Hügelstadt Skiathos
Ich lese endlich wieder mal eine deutsche, anspruchsvolle FAZ vom 5./6. Juni, „Futter fürs Hirn“. Fragt man in einem mit “International press” beschilderten Laden nach deutscher Zeitung, gibt es meist nur die BILD-Zeitung. Vielseitig die Themen, grad bei Kultur, Geschäftsleben, Städtebau, Fußball-WM, neuer Bundespräsident.
Noch ist es nicht richtig heiß, auch nicht an Land. Es hat oft geregnet, die unbebauten Brachen sind knallgrün und es blüht üppig, am Wegrand und hinter unbewohnten Häusern blüht die pinkrosa-violett gestreifte Urform der Geranie, Dazu lila leuchtende hohe Disteln, fuchsiarote Löwenmäulchen, wild auch kleinblütige rubinrote Geranien, orangefarbene Ringelblumen, natürlich überall Oleander, weiß, champagnergelb, rosa, koralle, tiefrot. An den Bäumen die Orangen, Zitronen, die Granatapfelbäume in voller Blüte, teils auch schon abgeblüht, mit dem sternartigen Ansatz für die Frucht. Schon auf 100 m Entfernung (und oft auch schon beim Ansteuern am Schiff zu erschnuppern) riecht es fast parfümhaft nach Jasmin, der über die Mauern und Zäune quillt.

Bougainvillea
Unglaubliche Farborgien produziert die Bougainvillea, die sich oft bis in den 3. Stock an Balkons hochrankt oder aber an Felsen vom Garten oben runterwirft wie ein Wasserfall, auch an eindeutig leerstehenden Ferienwohnungen, die wohl erst ab Juli die Fensterläden öffnen. Gestern fanden wir, was ganz selten ist, einen Supermarkt am Rande des Städtchens, wo es mal ein etwas dunkleres Brot mit knuspernder Kruste gab, ein Fest, nach all dem weiß-gelben Weizenbrot. Auch konnte ich den Metzger überreden, die kleine Lammkeule, schlachtfrisch, mit dem Beil in 8 Scheiben zu hacken, was ihm natürlich das Herz brach, denn sie gehört im Ofen geschmort. Ich legte das köstliche Fleisch in Marinade ein:

Nachbarcrew aus Ingolstadt
- 500 g Lamm
- Saft von 1 Zitrone
- 1/2 Glas Retsina-Wein
- Gyrosgewürz
- Oregano
- 1 Zweig Rosmarin
- Salbei
- 4 Knoblauchzehen
- Salz, Pfeffer aus der Mühle
- 1/2 Tl Chili-Samen
- 1 Tasse natives Olivenöl
Den Deckel drauf und nur manchmal die Dose wenden. Schmeckte unserem Besuch (Nachbarcrew aus Ingolstadt, Radler, Bergsteiger) wunderbar, dazu Griechischer Salat mit Kalamata-Oliven, Schafskäse, und ein gekühlter Obstsalat! Als Krönung dazu die Musik mit Franzls chromatischer Mundharmonika, Wiener Lieder, die ich alle mit Text konnte, da sie seit Jahren zu meinem Geige-Repertoire gehören.
Wir haben heute unsere erste Langstrecke vor uns, denn es werden je nach Kreuzen so 50 Seemeilen, also über 100 km sein, die wir hinter uns bringen müssen, um oben am mittleren der 3 Finger der handartigen Halbinsel Chalkidiki anzukommen. Nachmittags soll es frische 4-5 Beaufort geben.

Silbrig metallisch schillernd: Der Bonito
Seit das Wasser über 500 Meter tief ist, begleiten uns Schwärme von silberblitzenden Bonitos, metallisch glänzende sportliche Langzeitschwimmer, bläulich aufscheinend wie ein Vollmond nachts oder wie Messerklingen, wie Thunfische, nur schlanker, stromlinienförmig, ca. 60 cm groß. Unglaublich, sie überholen die EOS nie, sie sausen neben ihr her, hintereinander, in Reihen nebeneinender, immer mit unserer Geschwindigkeit. Diese am Rücken mit Zebrastreifen gemusterten Fische weichen erst nach 11 langen Stunden von unsrer Seite.
Samstag, den 12. Juni, Insel Thassos
Wir zwei segeln inzwischen vom Süden zum Norden der Insel Thassos, also auf Höhe Thessaloniki und Alexandropolis im Osten, was der nördlichste Punkt der griechischen Ägäis wäre. Der Wind meinte es gut mit uns, nicht zu viel gegenan.

Einfach nur schön
Wir träumten eine Nacht in einer ur-romantischen Ankerbucht auf der Insel Diaporos, umgeben von grünem Wald, Olivenbäumen, lautlos Still und staunend lagen 3 HallbergRassy-Yachten verschiedenen Lebensalters wie Geschwister beieinander. Wir wanderten über die Hügel und hatten freien Blick nach zwei Seiten Meer. Die Insel Amouliani bescherte uns einen Gang durch ein zauberhaft blumenreiches Dorf, üppige Bäume an den ungeteerten Gassen, Schwalben überall, 10 Nester unterm roten Ziegeldach, und schon mal ein Karton mit Nest unter der Markise eines Gemüseladens aufgehängt. Glückliches Griechenland. Tags drauf segelte die EOS an der “verbotenen” Küste der kleinen Mönchsrepublik des Heiligen Bergs ATHOS entlang. Nur auf 500 m darf man sich nähern, an Land nur Männer!
Der Berg Athos, ein gewaltiger Berg, 2033 Meter hoch, wunderbar in seiner Form. Hunderte von Klöstern kleine und große - in steile Hänge und an unzugängliche Felsen geklebt. Im steilen Kar noch große Schneefelder. Wütend stürzen die Fallböen auf uns herab, wir reffen und stabilisieren die EOS mit Motorhilfe auf Kurs. Auch während unsrer 13- stündigen Überfahrt nach Thassos, bis 6 abends, bleibt der Heilige Berg majestätisch im Heck zu ahnen. Thassos, grün bewaldet, wunderbar die vielfach hintereinander geschlichteten Hügelketten, reizvoll auf halber Höhe sich an den Berg schmiegende Bergdörfer. Eine Insel zum Genießen.
GERDI

Klöster an den Fels geklebt
http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157624134274083/show/






